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Review  09.06.2010 (Archiv)

Filmkritik 'Das Bildnis des Dorian Gray'

Große Kunst trifft auf große Mittelmäßigkeit: Da musste wohl mal wieder ein Klassiker abgearbeitet werden. Solide gemacht, aber ohne jede künstlerische Vision. Auch Colin Firth muss man in diesem Film nicht gesehen haben.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kommt der junge Dorian Gray (Ben Barnes) nach London und wird dort in die gehobene Gesellschaft eingeführt. Aufgrund seiner Schönheit fällt er schnell auf und wird bald auch zum Gegenstand eines allseits bewunderten Portraits des Malers Basil Hallward (Ben Chaplin). Durch das Bild zum ersten Mal konkret mit der Macht seiner Schönheit konfrontiert, wünscht sich Dorian, das Bild würde an seiner Stelle altern. Und dies geschieht.

Während der zynische Lord Henry Wotton (Colin Firth) den anfangs schüchternen jungen Mann immer mehr mit dem sündigen Leben der Stadt bekannt macht, zeigt ab jetzt nur mehr Dorians Portrait die Spuren seines immer ausschweifenderen und grausameren Lebensstils. Auch seine Seele scheint eine Weile gegen die Folgen seiner Vergehen abgeschirmt zu sein. Als er seine erste Liebe (Rachel Hurd-Wood) verstößt und sie sich daraufhin das Leben nimmt, bereitet ihm dies nicht lange Kopfzerbrechen, liegt ihm und seiner Schönheit doch die ganze Welt zu Füßen.

Schönheit und Macht

Wenn man sich eines Romanklassikers und ästhetischen Wunderwerks wie dem 'Bildnis des Dorian Gray' annimmt, sollte man besser eine Vision haben, die über eine bloße grundsolide Abfilmung hinausreicht. Oliver Parker hat keinen schlechten Film gedreht, aber einen, der seiner Vorlage nicht im Geringsten das Wasser reichen kann. Alles, was an Oscar Wildes Roman schillert, ist hier nur matt. Jede Brisanz verkommt zur Banalität, alles Faszinierende zu Belanglosigkeit. Man fragt sich, warum sich Filmemacher eines solchen Stoffes annehmen, wenn sie offenbar keinerlei Leidenschaft für ihn empfinden.

Trailer


Oscar Wildes 'Dorian Gray' ist nicht nur vielschichtig und bis heute aktuell, er ist auch berauschend schön geschrieben. Das Thema Schönheit und Macht spiegelt sich in allen möglichen Aspekten bis hin zur puren Schönheit jedes einzelnen Satzes, um sich doch aber immer wieder am Düsteren, Lüsternen, Abgründigen und Hässlichen zu brechen und zu messen. Doch von all dem ist Oliver Parkers Film weit entfernt.

Selbst das auffallendste Motiv des Films, der Jugend- und Schönheitswahn, der nicht nur Dorian Gray selbst, sondern auch der Gesellschaft zum Verhängnis wird, wurde vollkommen verspielt. Seine Behandlung bleibt nur an der Oberfläche und gibt weder einen Blick ins Innerste der viktorianischen noch in dasjenige unserer Gesellschaft frei. Wenn man solch eine Chance schon so grandios verpasst, was bleibt dann noch übrig?

Charakterzeichnungen

Eine faszinierende Charakterzeichnung sicher nicht, denn Ben Barnes' Dorian Gray kann zwar im Wechsel zwischen anfangs echter, dann gespielter Unschuld und abgründigem Lustverhalten immer wieder überraschen, aber so recht will man ihm doch nie abnehmen, dass gerade er dieser sagenhafte Schönling sein soll, dem die Welt bedingungslos zu Füßen liegt. Auch wenn man über Schönheit sicher streiten kann, ein weitaus größeres Maß an Charisma hätte diesem Verführer nicht geschadet. Gerade wenn ein Film mit einem zu Grausamkeit neigenden Narzisten nicht gerade einen Sympathieträger als Hauptfigur präsentiert, sollte er sich für dessen Figurenzeichnung und Darstellung bedeutend mehr einfallen lassen.

Offizielle Webseite

Denn ohne einen überzeugenden Dorian, der ungestraft jeder Versuchung erliegen kann und dadurch immer maßloser wird, verliert auch die Frage nach der generellen Verführbarkeit des Menschen zum Bösen enorm an Gewicht. Wen juckt es da noch, dass er am Ende doch noch einmal halbherzig versucht, ein neues Leben zu beginnen, wenn man vorher schon kaum Interesse an ihm hatte und seine Sinneswandlungen schwer nachvollziehen kann?

Aber auch die zweite wichtige Figur des Films hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Colin Firth als Dorians Verführer Lord Henry Wotton zu besetzen ist kaum nachzuvollziehen. Zwar brillierte Firth vor kurzem noch als ein am Schmerz zerbrechenender Literaturprofessor in Tom Fords 'A Single Man', doch für einen Henry Wotton scheint er nicht prädestiniert zu sein. Zynisch, wortmächtig, charismatisch, verführerisch und dämonisch, vielleicht auch höchst verletzbar könnte dieser Charakter sein (und sicher noch viel mehr), doch Colin Firth ist all dies einfach nicht.


Das vollkommene Bildnis - Dorian Gray (Ben Barnes) und sein Portrait / © Filmladen Filmverleih
Das vollkommene Bildnis - Dorian Gray (Ben Barnes) und sein Portrait / © Filmladen Filmverleih



Perle und Grusel

Eine darstellerische Perle ist einzig Rebecca Hall als Wottons Tochter Emily. Doch auch hier schaffen es Drehbuch und Regisseur ihren Charakter in Windeseile unglaubwürdig zu machen. Gerade ist sie noch die selbstbewußte, intelligente und charmante junge Frau, der man fast schon die Personifikation der 'neuen Frau des 20. Jahrhunderts' nach all den verstaubten viktorianischen Damen zuschreiben will, da verfällt auch sie blind dem offensichtlichen Unsympathen Dorian Gray, dem sie – Gott weiß warum – Herz und Seele zuspricht und ihn retten will.

Was sie dabei noch Seele nennt, wird dem Zuschauer überdeutlich, aber unbeeindruckend vor Augen geführt. Dorians Portrait lässt Oliver Parker im Laufe des Films immer mehr von Maden zerfressen. Dass dieser Effekt, so nett gruselig er für sich stehend auch sein mag, so gar nicht zum Rest des Films passen will, ist dann aber auch schon egal. Den Horror vor der eigenen, scheußlichen Seele vermögen diese Bilder jedenfalls nicht einzufangen.

Dabei wäre das vielleicht noch das Interessanteste an einem Filmvorhaben über Dorian Gray gewesen: was in einem Roman als Symbol für die hässlichen Veränderungen der Seele funktioniert, kann im Film nicht allein durch ein madiges Gemälde ausgedrückt werden. Für den Horror vor dem eigenen, verdrängten Ich hätte man gern andere Bilder gesehen.

Kinostart Österreich: 11.06.2010

Carolin Färber / filmtauchgaenge.at | www

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