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Review  13.05.2011 (Archiv)

'Alles, was wir geben mussten' Filmkritik

Basierend auf dem Bestseller von Kazuo Ishiguro entwirft der Film ein beunruhigendes Bild einer möglichen Realität, in der Klone geschaffen werden, die am Höhepunkt ihres Leben den Menschen als Organspender dienen.

Trotz dem wissenschaftlichen Kontext handelt die Geschichte letztlich von Freundschaft, Liebe und der Zeit, die einem dafür gegeben wird.

Kathy (Carey Mulligan), Tommy (Andrew Garfield) und Ruth (Keira Knightley) sind seit ihrer Kindheit gute Freunde. Gemeinsam wachsen sie in Hailsham auf, einem auf den ersten Blick ganz normalen Internat. Doch irgendetwas ist eigenartig an diesem Ort. So dürfen die Kinder nie das Schulgelände verlassen, es wird penibel auf ihre Gesundheit geachtet und keiner von ihnen scheint Eltern zu haben.

Die Kinder von Hailsham sind etwas Besonderes, wie Miss Emily (Charlotte Rampling) und die anderen Erzieherinnen immer wieder betonen. Doch erst die neue Lehrerin Miss Lucy (Sally Hawkins) lässt ab von den vagen Andeutungen und teilt den Kindern ihre wahre Bestimmung mit: Nur von begrenzter Zeit wird ihr Leben sein, denn sie sind lebende Klone, deren Aufgabe darin besteht, als junge Erwachsene nach und nach ihre Organe zu spenden, solange bis sie 'vollenden'.

Diese Wahrheit jedoch ändert nichts an ihrem Schicksal, dem es zu folgen gilt. So finden sich Kathy, Tommy und Ruth nach einiger Zeit auf den Cottages ein. Gemeinsam mit anderen Klonen, die nicht aus demselben Internat kommen, genießen sie hier, trotz der nach wie vor bestehenden Abschottung gegenüber der Außenwelt, mehr Freiheiten und erhalten die Möglichkeit, sich als Betreuer der Spender zu bewerben.

Trailer


Schon als sie noch Kinder waren, hegten Kathy und Tommy starke Gefühle füreinander, doch es war Ruth, die Tommy für sich gewann. Auch während ihrer Zeit auf den Cottages sind die beiden noch ein Paar, Kathy hingegen verbirgt ihre Gefühle und bewirbt sich stattdessen als 'Betreuerin'. Doch bald heißt es, sich ihrer Aufgabe zu stellen, und so verlieren sich die drei Freunde, nachdem sie die Cottages verlassen haben, aus den Augen – solange, bis Kathy durch Zufall Ruth im Krankenhaus begegnet, deren Zeit, ihrer Bestimmung zu folgen, bereits begonnen hat.

Mögliches Abbild

'Alles, was wir geben mussten' entwirft ein bedrückendes Bild einer Zukunft, die nicht erst stattfinden wird, sondern schon begonnen hat. Im Gegensatz zu manch anderen Science-Fiction-Szenarien spielt die Geschichte in der Vergangenheit, nämlich in den 90er Jahren. Das verstärkt den schockierenden Charakter dieses realitätsnahen, durchaus möglichen Abbilds einer Gesellschaft, die sich klonen lässt, um ihr eigenes Leben auf diese Weise zu schützen und zu verlängern.

Doch beunruhigender als der Zweck, für den die Klone geschaffen wurden, ist, dass keiner von ihnen wirklich versucht, ihrem Schicksal zu entkommen. Sie begehren nicht auf, stattdessen fügen sie sich in ihre zugewiesene Rolle ein, hinterfragen ihre Aufgabe nicht, sondern akzeptieren, wozu sie geschaffen wurden. Manchmal möchte man aufschreien, ihnen zurufen, doch bitte zu fliehen, um ein normales Leben führen zu können, aber schnell zweifelt man an der Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens. Immerhin haben die Klone nie gelernt, sich in der Welt da draußen, außerhalb ihres beschränkten Horizonts, zurecht zu finden.

Als Kathy, Tommy und Ruth gemeinsam mit zwei anderen Klonen einmal die Cottages verlassen und einen Ausflug in eine nahe gelegene Stadt machen, finden sie sich dort in einem kleinen Cafe ein. Doch als die Kellnerin ihre Bestellung aufnehmen will, sitzen die drei nur verschreckt am Tisch, nicht so recht wissend, wie sie sich verhalten sollen. So weichen sie ihren Blicken aus und bestellen dasselbe wie einer der Klone, der schon des öfteren mit der Außenwelt in Kontakt getreten ist.

Aufschub

Da eine Flucht vor der Bestimmung unmöglich scheint, findet dieser Aspekt nur am Rande Eingang in die Geschichte und auch dann geht es nicht um ein wirkliches Entkommen, sondern nur um einen Aufschub, um etwas mehr Zeit zu haben. Gerüchte gehen um in den Cottages, dass einem Pärchen ein Aufschub genehmigt wird, wenn es beweisen kann, dass es sich wirklich liebt, und die Kinder aus Hailsham sollen dabei bevorzugt werden.


Bildergalerie

Diese Möglichkeit wird allerdings erst relevant, als Kathy, Tommy und Ruth schon erwachsen sind und sowohl Ruth als auch Tommy bereits als Spender fungieren. Stets konzentriert sich der Film auf diese drei Figuren, nicht so sehr auf die Tragik ihres Schicksals, sondern eher auf den Umgang der einzelnen Figuren damit und vor allem auf ihre Freundschaft und Liebe zueinander. Das Leben der Klone ist begrenzt – so wie das von allen anderen Menschen auch – und letztlich geht es auch ihnen darum, die Zeit, die sie haben, mit dem Menschen zu verbringen, den man liebt. Doch wie in so vielen anderen Liebesgeschichten auch, dauert es eine gewisse Zeit, bis man sich seiner Gefühle sicher ist und auch bereit, diese zu leben – solange es noch möglich ist.

Offizielle Website
Filmkritiken auf filmtauchgaenge.at

Gebettet in eine alternative Realität, erzählt 'Alles, was wir geben mussten' eine rührende Liebesgeschichte, und besticht vor allem durch Carey Mulligan, die sich feinfühlig in die Rolle der introvertierten Kathy fügt. Aus ihrer Perspektive wird die Geschichte erzählt, stets mit dem klaren Blick einer starken, aber zugleich unschuldigen und zarten jungen Frau, die sich im Bewusstsein über ihr Schicksal doch einer gewissen Traurigkeit nicht erwehren kann.

Kinostart Österreich: 13. Mai 2011

Alexandra Cech / filmtauchgaenge.at | www

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#Filmkritik #Andrew Garfield #Keira Knightley #Carey Mulligan #Sally Hawkins #Charlotte Rampling


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