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Review  08.02.2011 (Archiv)

Filmkritik 'Live aus Peepli - Irgendwo in Indien'

Ein indischer Bauer beschließt, Selbstmord zu begehen, um seine Familie aus finanzieller Not zu befreien. Skurril, tragikomisch, zynisch - und wohl kaum klassisches Bollywood-Kino.

Natha (Omkar Das Manikpuri) wohnt mit seiner Frau Dhaniya (Shalini Vatsa), seinen drei Kindern, seinem älterer Bruder Budhia (Raghubir Yadav) und seiner Mutter Amma (Farrukh Jaffer) in einem kleinen Häuschen in dem armen Dorf Peepli. Die bäuerliche Familie ist hoch verschuldet. Das einzige, was sie besitzen, ist ihr Land. Doch gerade das soll ihnen nun auch weggenommen und zwangsversteigert werden. Als Natha und Budhia verzweifelt nach einem Ausweg suchen, erfahren sie von einem Regierungsprogramm, das der Familie eines Bauern, der Selbstmord begeht, eine hohe Prämie zuspricht. Der nicht allzu kluge Natha lässt sich von seinem Bruder überzeugen, dass es wohl am sinnvollsten wäre, sich umzubringen, um so seine Frau und Kinder abzusichern.

Nathas Vorhaben spricht sich schnell herum. Die Medien werden auf den Bauern aufmerksam und fallen scharenweise in das kleine Dorf ein. Da lokale Wahlen vor der Tür stehen, sorgen die Schlagzeilen auch bei hochrangigen Politikern für Unruhe. Während die einen Nathas Selbstmord als Opfer ansehen, das einem höheren Zeck dient und ein Zeichen setzt, versuchen andere, ihn zu bestechen, um sein Vorhaben zu unterbinden.

Von allen Seiten wird auf Natha eingeredet. Bald steht er unter ständiger Beobachtung, nicht nur von Seiten der Medien, sondern auch durch die Polizei. Gespannt warten alle darauf, ob und wann er sich das Leben nehmen wird – ohne Rücksicht darauf, wie es Natha mit seiner Entscheidung geht, die er aus einer Notlage heraus getroffen hat und die ihn immer mehr in Angst versetzt.

Aus der Realität gegriffen

In vielerlei Hinsicht ist 'Live aus Peepli' kein typischer Bollywood-Film. Besonders auffallend ist die Wahl des Themas. Das mag vor allem damit zusammenhängen, dass die Regisseurin Anusha Rizvi einige Zeit als TV-Produzentin bei Indiens größtem Nachrichtensender sowie als Dokumentarfilmerin gearbeitet hat. Die Geschichte, die sie in ihrem Spielfilmdebut erzählt, basiert auf realen Hintergründen. Tatsächlich ist die Selbstmordrate unter Indiens Bauern mit circa 17.000 Fällen pro Jahr erschreckend.

Teures Saatgut, klimatisch bedingte Ernteausfälle und die Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt tragen zur steigenden Armut der ländlichen Bevölkerung Indiens bei. Unterstützung finden sie oft nur bei privaten Kreditgebern, wodurch ihre Verschuldung noch weiter ansteigt. Allerdings ist es nicht nur die Selbstmordthematik, die einen wahren Kern der Handlung darstellt, auch die finanzielle Hilfe für Hinterbliebene beruht auf einer Tatsache.



Diese realistischen Elemente bettet Anusha Rizvi in eine fiktionale Geschichte, die tragisch und komisch zugleich ist. Das liegt nicht nur an der Ausgangssituation der Geldbeschaffung mittels Selbstmord. Die Reaktion der Medien und Politiker ist treffsicher und vielschichtig gezeichnet. Sensationsgier, der Konkurrenzkampf um die Story, politisches Wahlverhalten und Machtkämpfe, Wahlgeschenke, Drohungen – all das sind Realitäten, die, wenn auch überzeichnet dargestellt, sich schlussendlich selbst ins Lächerliche ziehen. Gekonnt weist die Regisseurin auf all diese Aspekte hin, ohne sich in dokumentarischer Erzählweise zu verlieren.

Ähnlichkeiten vorhanden

Auch wenn der Film sich ganz und gar vom klassischen Hauptthema eines Bollywood-Films, der Liebe, abwendet, die hier nicht einmal zwischen Ehemann und Ehefrau thematisiert wird, ist es doch das zum Teil überemotionale Spiel der Darsteller, vor allem der Frauen, das eine Verbindung zu anderen Bollywood-Filmen herstellt. Mal wieder dauert es eine gewisse Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat, insbesondere an die ungewöhnliche Art der Kommunikation innerhalb der Familie, die zu einem Großteil aus Geschrei und teils bösartigen Schuldzuweisungen besteht.

Des Weiteren spielt auch hier die Musik, ähnlich dem klassischen Bollywood-Kino, eine entscheidende Rolle. Wenn sie auch nur als Hintergrundmusik zum Einsatz kommt, so erzählt sie doch vom Leben der ländlichen Bevölkerung und verdeutlicht die aussichtslose Lage, in der sie sich befinden. Zwar wird diesmal nicht getanzt, aber dennoch wird's ganz schön bunt – auch in diesem armen Dorf. Denn ab dem Zeitpunkt, an dem die Medien Peepli belagern, werden Jahrmärkte eröffnet, Musik gespielt und Geschäfte gemacht. Aber so schnell wie die Meute gekommen ist, so schnell ist sie auch wieder verschwunden – und was bleibt, ist das gleiche Dorf mit derselben armen Bevölkerung, bei der sich trotz des ganzen Rummels nur wenig verändert hat.

'Live aus Peepli' ist ein sozialkritischer Film, der trotz seines deutlichen Fingerzeigs auf Ungerechtigkeiten, mediale Verwertung und politische Korruption, auf humorvolle Weise eine Geschichte erzählt. Ein wunderbarer Kontrast zum klassischen Bollywood-Kino.

Kinostart Österreich: 4. Februar 2011

Alexandra Cech / filmtauchgaenge.at | www

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#Filmkritik


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