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Review  27.10.2010 (Archiv)

'Wall Street: Geld schläft nicht' Filmkritik

Finanzhai Gordon Gekko ist zurück - und man freut sich auf seine diabolischen Spielchen mit unserem lieben Geld. Doch die spannenden Stunden im Dschungel raubtierhafter Spekulanten sind nicht ungetrübt.

Dafür verzettelt sich der Film zu sehr in Familienproblemen und benutzt die Finanzkrise nur als beliebiges Hintergrundrauschen.

2001 wird Gordon Gekko (Michael Douglas), ehemaliger Finanzhai und König der Wall Street, nach einer achtjährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen. Sieben Jahre später präsentiert er sein Buch 'Ist Gier gut?', das die gängigen Finanzpraktiken anklagt und eine große Krise voraussagt. Besonders interessiert daran ist Jake Moore (Shia LaBeouf), ein jungen Aktienhändler der Wall Street, der in umweltfreundliche Energien investiert. Er ist verlobt mit Gekkos Tochter Winnie (Carey Mulligan), die nichts mehr mit ihrem Vater zu tun haben will, seit ihr Bruder nach der Inhaftierung Gekkos an Drogen starb.

Jake möchte Vater und Tochter wieder versöhnen und sich mit Gekkos Hilfe an dem skrupellosen Banker Bretton James (Josh Brolin) rächen, der falsche Gerüchte streuen lies, um die von maroden Krediten geschwächte Bank seines Konkurrenten - sowie Jakes Chef und Mentor - Louis Zabel (Frank Langella) in den Ruin zu treiben, woraufhin dieser sich umbrachte. Jakes kleine Racheaktion gelingt, doch Bretton James wird dadurch auf ihn aufmerksam und möchte den vielversprechenden Jung-Broker in sein Team aufnehmen. Jake nimmt an, mit der Absicht, in dieser Position sowohl das Energie-Unternehmen weiter unterstützen zu können, als auch Bretton James noch größeren Schaden zuzufügen. Doch sowohl James als auch Gordon Gekko spielen ein gefährliches Spiel mit ihm, das Jake noch nicht durchschaut.

Trailer


Welcome back

Gordon Gekko ist eine Legende. Wer mit so viel Lust, Charme und Arroganz alles und jeden um sich herum betrügt, den möchte man doch zu gern wiedersehen. Zumal er sich genau dann wieder ins große Geldverschieben einklinkt, wenn die Finanz- und Wirtschaftswelt vor dem großen Absturz steht. Eine geniale Kombination, könnte man meinen - die doch nicht recht aufgeht. Zweifellos kann man auch einiges Gutes über den Film sagen. Michael Douglas hat Gekko kongenial wiederbelebt, auch wenn ihm das Drehbuch nicht viele diabolische Glanzmomente gewährt. Ähnlich verhält es sich mit Carey Mulligan, die hier zwar wenig mehr als süß dreinschauen darf, aber sicher vor einer großen Karriere steht. Josh Brolin darf als skrupelloser Banker Bretton James dagegen so richtig die Beißerchen wetzen und punktet mit einer schön fiesen 80-er Jahre Visage.

Sie alle sind hübsch anzusehen in diesem nicht ganz unspannenden Film. Wall Street: Geld schläft nicht ist solide gemacht und schafft es in seinen besten Momenten, dass einem so richtig schlecht wird von den dekadenten, gewissen- und verantwortungslosen Großspekulanten, die nicht nur mit Geld, sondern auch mit vielen tausend Arbeitsplätzen und letztlich auch Leben jonglieren. Bezeichnend dafür ist eine Szene, in der die Kamera während einem Charity-Dinner in der New Yorker Met eine Weile ausschließlich über die überbordenden Ohrringe der feinen Damen gleitet. Ein nutzloses, aber unendlich teures Geschmeide nach dem anderen schwebt ins Bild - Statussymbole derjenigen, die sich einfach alles leisten können, während sich draußen eine Finanz- und Wirtschaftskrise unabsehbaren Ausmaßes anbahnt.

Wohin geht die Reise?

Doch letztlich fehlt es dem Film an Drive, denn er findet sein Zentrum nicht. Zu viele ausufernde Nebenhandlungen, die alle kein großes dramatisches Potential besitzen und auch in Kombination nicht überzeugen, bringen die Handlung schwer vom Fleck. Die Beziehung von Jake und Winnie ist bestensfalls als harmlos zu bezeichnen, Winnies Konflikt mit ihrem Vater kommt nicht in Schwung, Jakes Suche nach einer Vaterfigur in Gekko wird kaum ausgespielt, Gekko selbst tritt nicht besonders oft auf und hat viel von seiner einstigen Fiesheit eingebüßt, und Jakes belanglose Kabbeleien mit seiner in kleinere Finanznöte geratenen Immobilienmakler-Mutter sind völlig vernachlässigenswert. Durch so viel Kleinzwist unterbrochen, nimmt die eigentliche Haupthandlung - Jakes Finanzgeschäfte und Racheaktion - nie wirklich Fahrt auf, zumal man den Eindruck hat, dass Jake selbst nicht recht weiß, was er da eigentlich will und macht.

© 2010 Twentieth Century Fox
Zoom mit Klick
© 2010 Twentieth Century Fox

Dazu kommt, dass Shia LaBeouf als Hauptdarsteller wenig Zugkraft besitzt. Er ist zwar sympathisch und sicher nicht untalentiert, aber solch ein gutmütiger und harmloser Softie, dass einem bald jedes Interesse an ihm abhanden kommt. Auch Susan Sarandon verbreitet keinen darstellerischen Glanz. Vielleicht war ihr aber auch schon bald klar, dass ihr Rolle als Jakes Mutter so völlig unbedeutend ist, dass sie sich nicht einmal angestrengt hat. Und weshalb Charlie Sheen als Bud Fox völlig unmotiviert zwei Bildschirmminuten erhält, nur um dort - genau wie sein derzeitiger Seriencharakter aus 'Mein cooler Onkel Charlie' - mit zwei Frauen im Arm und breitem Grinsen belanglose Informationen zum Besten zu geben, bleibt auch ein Geheimnis.

Auf dem Spielplatz

Natürlich soll sein Auftritt an die Ereignisse des ersten Films erinnern, doch ob das so eine gute Idee war? Schließlich merkt man dadurch erst recht, dass sich der Verlauf des Sequels erstaunlich eng an das Konzept des ersten Wall Street Films anlehnt. Auch hier dachte ein junger Broker, er könnte sich mit den Alten anlegen und kräftig absahnen - natürlich für einen guten Zweck -, wird dann aufs Kreuz gelegt und kann die Sache schlussendlich doch noch retten. Damals funktionierte das jedoch viel besser, weil die Geschichte von Bud Fox sowohl klarer als auch anschaulicher war. Bud hatte zwei Ziele: Reich werden bei Gordon Gekko und die von Zerschlagung bedrohte Airline 'Blue Star', Arbeitsplatz seines Vaters, zu retten.

Doch Wall Street: Geld schläft nicht fehlt es an beidem, sowohl am Fokus des Protagonisten als auch am konkreten Beispiel dafür, was skrupellose Finanzwirtschaft anrichten kann. So wird die Finanzkrise zwar mit ein paar beeindruckenden Zahlen und dem Bankrott einer Bank beschrieben, aber ihre desaströsen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft - von Konkursen, über Massenentlassungen bis hin zu Staatsbankrotten -, bleibt vollkommen unerwähnt und kann damit auch nicht zur Dramatik der Geschichte beitragen. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, was man daraus alles hätte machen können.

Offizielle Webseite

So bleibt neben der nicht besonders überzeugenden Familienzusammenführung am Schluss nur die Erkenntnis, dass die Finanzwelt anscheinend immer noch ein hübscher Abenteuerspielplatz ist, auf dem man zwar vom Klettergerüst fallen kann, aber doch immer wieder auf den Füßen landet. Zumindest, wenn man ein Big Player ist.

Kinostart Österreich: 22. Oktober 2010

Carolin Färber / filmtauchgaenge.at | www

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#Filmkritik #Wall Street 2 #Michael Douglas #Josh Brolin #Shia LaBeouf


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