Diese Website verwendet meisterhafte Cookies. Mit der Nutzung stimmen Sie der Speicherung zu.















Neueste Artikel

Soundtrack zu Filmen finden
Youtube produziert Filme
Oscars 2018 - Awards weniger interessant?
Netflix wie Kabel-TV-NetzWegweiser...
mehr...








Autoszene #18


Aktuelle Highlights

PC-USB-Mikrofon


 
cinemunity Kino-Aktuell
Review  29.09.2010 (Archiv)

'Jud Süss - Film ohne Gewissen' Filmkritik

Ein Stück Zeitgeschichte über den Hauptdarsteller des zuerst groß gefeierten und nach Scheitern der NS-Diktatur verbotenen gleichnamigen Propagandafilms.

Seiten: [1] [2] weiter...

Reale Ereignisse gemischt mit frei erfundenden Elementen generieren einen eindrucksvollen Spielfilm, der lange nachwirkt.

Berlin 1939. Ferdinand Marian (Tobias Moretti), ein mittelmäßig erfolgreicher und mäßig bekannter Theaterschauspieler, erhält vom Propagandaminister des Deutschen Reiches, Joseph Goebbels (Moritz Bleibtreu) persönlich, das Angebot, die Hauptrolle in einem vom ihm in Auftrag gegebenen Film zu übernehmen. 'Jud Süß' - basierend auf der Geschichte des Juden Joseph Süß Oppenheimer, der im 18. Jahrhundert wegen Hochverrats angeklagt und hingerichtet wurde – soll zum 'ersten wirklich antsemitischen Film' avancieren.

Ruhm und internationale Bekanntheit verspricht Goebbels dem Schauspieler, die Rolle seines Lebens also, und egal, welche Einwände oder Gegenargumente Ferdinand Marian auch hat, Joseph Goebbels beharrt auf seiner Entscheidung. Marian ist hin und her gerissen zwischen der Chance, seine Karriere voranzutreiben, und seinem Gewissen, dem inneren Widerstand und der Ablehnung, die Hauptrolle in einem derartig verhetzenden und Juden degradierenden Film zu spielen. Doch trotz seiner klaren Verweigerung, wird er von Goebbels als neuer Star am Himmel des Erfolg versprechenden Propagandafilms angekündigt. Ferdinand Marian lässt sich trotz aller Zweifel auf das Projekt ein. Entgegen den Vorgaben des Regisseurs Veit Harlan (Justus von Dohnányi), versucht er jedoch der Rolle des 'schändlichen' Judens sympathische Züge zu verleihen. Während es aufgrunddessen zu Unstimmigkeiten zwischen dem Regisseur und dem Hauptdarsteller kommt, scheint Joseph Goebbels Gefallen an Marians Zugang und Umsetzung zu finden und nutzt es zu seinem Vorteil.

Trailer


Venedig 1940. Im Rahmen der dortigen Filmfestspiele feiert 'Jud Süß' seine Premiere – mit großem Erfolg. Hoch gelobt von Kritikern, umringt von zahlreichen weiblichen Fans und berauscht von dem Rummel um seine Person, verschwimmt Marians Distanz zu seiner Rolle. Noch ist sein Blick getrübt, die Auswirkungen und der Einfluss, den dieser Film haben wird, nicht fassbar. Doch alsbald beginnt sich die Verschleierung des Ruhms aufzulösen und die Erkenntnis, die vorerst nur ein leises Pochen von sich gegeben hat, wandelt sich zu unüberwindbaren Schuldgefühlen, die selbst durch übermäßigen Alkoholkonsum und Frauenliebe nicht gestillt werden können.

Zwiespältigkeit – Der innere Kampf

Was Ferdinand Marians Beweggründe sind, sich entgegen seiner eigentlichen Entscheidung dem Projekt 'Jud Süß' anzuschließen, ist verschwommen, teilweise unklar. Ein Anhaltspunkt ist die Verhaftung seines Freundes, Schauspielerkollegen und Juden Adolf Wilhelm Deutscher (Heribert Sasse), der das Gartenhäuschen der Marians bewohnt. Ohne das Wissen Ferdinand Marians und seiner Frau Anna (Martina Gedeck) entwendet deren Hausmädchen Britta (Anna Unterberger) Briefe in jüdischer Schrift aus einer Kommode und übergibt sie ihrem Freund Lutz (Robert Stadlober), einem SS-Offizier. Aber nicht nur dem jüdischen Freund wird Brittas Anwesenheit im Hause der Marians zum Verhängnis, mitunter deuten die Briefe auch daraufhin, dass Anna Marian entfernt jüdischer Abstammung ist. Welchen Nutzen Joseph Goebbels aus diesem Wissen ziehen wird, ist absehbar.

Wie reagiert man als Künstler, der sein Metier liebt, wenn man ein solches Angebot erhält? Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich dem subtilen Druck aus höchster Instanz, dem man ausgesetzt ist, zu fügen, wenn man merkt, dass der eigene Widerstand auf taube Ohren stößt? Welchen Weg schlägt man ein, wenn es heißt, entweder diese Rolle oder keine weitere mehr? Ist man bereit alles aufs Spiel zu setzen, seine Kunst und alles, woran man lange gearbeitet hat, aufzugeben oder an einem anderen Ort neu anzufangen, wegen einer Rolle, mit der man aus moralischer Sicht nicht einverstanden ist, die aber gleichzeitig die Tore zu internationaler Bekanntheit öffnen kann? Wie weit ist man bereit zu gehen, wenn es sich um die eigene Karriere handelt?

Es ist diese Zwiespältigkeit, Teil eines Systems zu sein, dem man misstraut, distanziert gegenübersteht, aber gleichzeitig noch nicht fähig ist, die Hintergründe und eigentlichen Ziele der herrschenden Klasse unter ihrem Führer zu begreifen, die den Film durchzieht. Marian ist in einem System 'gefangen', das vorerst andeutet, aber erst im Laufe der Jahre seine wahre Schrecklichkeit entfaltet, nicht mehr subtil, so wie zu Beginn, sondern offen und gestärkt mit einer breiten Anhängerschaft bereit ist, jeden aus dem Weg zu räumen, der sich widersetzt.

  Filmbilder 'Jud Süss - Film ohne Gewissen'  1/5 weiter...

© Thimfilm & Concorde Film 2010 / Petro Domenigg

© Thimfilm & Concorde Film 2010 / Petro Domenigg

© Thimfilm & Concorde Film 2010 / Petro Domenigg

© Thimfilm & Concorde Film 2010 / Petro Domenigg

© Thimfilm & Concorde Film 2010 / Petro Domenigg


Nur schrittweise gelangt Ferdinand Marian zu der Erkenntnis, welch fatalen Fehler er begangen hat. All seine Versuche, seiner Rolle sympathische Züge zu verleihen und somit ein Verständnis für die Figur zu erzeugen, scheitern kläglich und entfalten eine umgekehrte Wirkung. Dass der Künstler nur ein Rädchen in dem Medium Film ist, welches aufgrund seiner Ausdrucks- und Vermittlungsmöglichkeiten im Bereich der Montage und Kameraeinstellungen auch der sympathischsten Figur mephistophelische Züge verleihen kann, war für Marian in dieser Form nicht absehbar. Realität und Auswirkungen treffen den exzentrischen Künstler und Playboy unvorbereitet. Mit einem Schlag wird klar: Zu lange hat er sein Gewissen ignoriert und die Anzeichen nicht wahrhaben wollen, die zum Teil überdeutlich durch die veränderte Beziehung der eigenen Tochter zu ihrer Mutter, von Liebe zu Ablehnung, zum Vorschein kamen.

Nächste Seite...

Alexandra Cech / filmtauchgaenge.de | www

Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie hier!

#Filmkritik


Kommen Sie auf unsere Facebook-Seite!
Wir sind in Google+ für Sie da...
Folgen Sie unserem Twitter-Feed hier...
Folgen Sie unserem Labarama-Blog...
Folge unserem Instagram...
Newsticker per eMail oder RSS/Feed!

Auch interessant!
Harlan - Im Schatten von Jud Süß
Der Name von Veit Harlan, Filmregisseur in den Diensten von Joseph Goebbels, ist vor allem mit 'Jud Süss'...

'Die Legende der Wächter' Filmkritik
Animation auf höchstem Niveau macht den Film zu einem optischen Spektakel, dem es trotz seiner klassische...

'Konferenz der Tiere' Filmkritik
Wenn die Menschen sich schon nicht um die Welt kümmern, müssen es wenigstens die Tiere tun! Dem ersten eu...

'Mammuth' Filmkritik
Ein künstlerisch anmutendes Road-Movie mit einem in der Form noch nicht gesehenen Gérard Depardieu in der...

'Moon' Filmkritik
Ein Astronaut steht auf einer menschenleeren Raumstation plötzlich seinem Doppelgänger gegenüber. 'Moon' ...

'Die Affäre' Filmkritik
Eine verheiratete Frau verliebt sich in einen anderen Mann, beginnt eine Affäre und fasst den Entschluss,...

'Kleine Wunder in Athen' Filmkritik
Nationalität, Identität und Fremdenfeindlichkeit stehen im Zentrum dieser Geschichte über einen Griechen,...

'Verrückt nach dir' Filmkritik
Eine nette Sommerkomödie, die auf durchaus realistische Weise von den Schwierigkeiten einer Fernbeziehung...

'Das Leben ist zu lang' Filmkritik
Leidenschaftlicher Filmemacher, peinlicher Querulant, überforderteter Familienvater oder doch 'nur' eine ...

'Duell der Magier' Filmkritik
Sobald Jerry Bruckheimer und Walt Disney im Hintergrund die Fäden ziehen und dann auch noch Namen wie Nic...

Forum: Ihre Meinung dazu!

[AufZack Talk] [Forum]     
Posten Sie ins Forum dazu:
Betreff:

Ihre Meinung via Facebook posten:

   






Top Klicks | Thema Review | Archiv

Folge uns: | Facebook | Google+ | Youtube

 
 

 


Style 4/2018


Motorwelten Wien


BMW X2


Range Rover Velar


Vignette: Kosten 2018


Photo Adventure Wien

Aktuell aus den Magazinen:
 DSGVO Kontaktformulare im Web ändern!
 Newsletter und Datenschutz ab 2018 DSGVO bringt viel Neues für eMail-Versand
 Verträge für ADV DSGVO-Links für die Cloud
 April! April! Aprilscherz! Die besten Scherze im Web zum 1. April.
 Budapest Tuning Show Heiße Fotos von der AMTS 2018

contator.net im Überblick:
 Webnews  WebWizard | Bundesland.at | Wien-Tipp.at | NewsTicker | contator.tv
 Business  Journal.at | Anfrage.net | plex | Seminar.At | BizTipp
 Auto  Auto.At | TunerAuto.At | OldtimerAuto.At | AutoTalk.At | AutoGuide.At | AutoBiz.At
 Freizeit  Style.at | Famili.at | Kinofilm.at | Musical.at | heavy.at | grlz | WitzBold | Advent.At
 Shopping  anna | Shoppingcity.at | SchatzWelt Gewinnspiele | Prozente.net Gutscheine
 Community  AufZack! | Flirtparty | Player | Schmuddelecke
Kontaktformular
Rechtliches
Copyright © 2018    Impressum    Adresse    Sitemap   
Mediadaten    Anfrage: hier werben!    Freies Web? Keine adblocker!
Tripple
      ad-locator.net    |    web-applicator.net    |    imaginator.at