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20.02.2003 (Archiv)

Roberto Benigni's 'Pinocchio' im Gartenbaukino

120 Jahre nach der Veröffentlichung der Erstauflage des Klassikers von Carlo Collodi kommt Roberto Benignis PINOCCHIO in den Kinos. Eine Hommage an Fellini und Collodi. Achtung: Film ist in ital. Originalfassung.

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Carlo Collodi schuf im Jahr 1880 mit Pinocchios Abenteuer. Die Geschichte einer Holzpuppe eines der größten Meisterwerke der Weltliteratur. Als der Roman entstand, war die Geschichte zunächst ein Fortsetzungsroman in einer Kinderzeitschrift und Pinocchio nur eine unerzogene Holzpuppe, die letztlich von dem Fuchs und der Katze gehängt werden sollte. Collodi schloss seinen Text mit dem Wort “Ende”. Doch auf Drängen der Verleger setzte er die Geschichte fort und ließ die Holzpuppe mit der Hilfe einer liebevollen und gütigen Fee wieder auferstehen.





Pinocchio wurde also wieder zum Leben erweckt und stürzte sich sogleich in eine Reihe wilder Abenteuer, von dem drängenden Verlangen getrieben, die Welt zu entdecken. Pinocchio verwandelt sich, Schritt für Schritt, vom Draufgänger zum Opfer der Missetaten anderer, bis er sogar eines Verbrechens beschuldigt wird, das er gar nicht begangen hat. Pinocchio wurde in einer Welt „geboren“, die aus einem Stück Holz entstanden ist. Pinocchios Tage verfliegen zwischen aufrührerischen Ausbrüchen, schmerzlichen Erfahrungen, falschen und echten Tränen, Reue und unerfüllbaren Wünschen. Die ihm nahe stehen, von Geppetto und der Fee bis hin zur sprechenden Grille, drängen ihn, die guten Sitten und Werte des Gemeinschaftslebens zu akzeptieren. Pinocchio muss lernen ein „normaler Mensch“ zu sein, sein kindliches und anarchisches Ungestüm zu bändigen und sich dem Leben der Erwachsenen anzupassen.

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Collodi missachtet alle Regeln des klassischen Märchenaufbaus und schließt den Roman kurz und bündig mit den Worten Pinocchios, als dieser sich selbst – inzwischen schon ein echter Junge – als leblose, gegen einen Stuhl gelehnte Holzpuppe betrachtet: “Wie töricht war ich doch, als ich noch ein Holzbube war. Und wie glücklich bin ich, nun ein richtiger Junge geworden zu sein.“ Im Laufe der Entstehung seines Fortsetzungsromans hat der Autor, langsam und sich dessen vielleicht nicht immer bewusst, seine ethischen Grundsätze geändert.





Das Drehbuch, das Benigni und ich geschrieben haben, folgt dem Verlauf der Geschichte, die, Dank der Lebendigkeit der Figuren, nichts von einer Moralpredigt besitzt. Pinocchio und seine Gegenspieler sind durch einen unlösbaren Konflikt miteinander verbunden, wie in einer griechischen Tragödie, in der die Fee die charismatische Rolle der Schicksalsgöttin übernimmt. Und wie immer bei der Bearbeitung eines Romans haben wir uns, um dem Geiste der Erzählung treu zu bleiben, in mehreren Punkten von der ursprünglichen Geschichte entfernt. Im Zentrum der Verfilmung steht eine komisch-tragische Figur: Der vollkommen unschuldige Pinocchio, der den Tod nicht kennt und das Leben liebt. Pinocchio und seine ständig aus ihm hervorbrechende Lebensfreude sind das Herz des Films: Stimmungen, Figuren und Zaubereien sind die stilistische Projektion eines Jungen, dem es schwer fällt, die Welt zu akzeptieren.

Vincenzo Cerami

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