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Filmkritik: Liebe (Amour)

Diskussionsverlauf

Filmkritik: Liebe (Amour) (tuvok, 26.03.2013)

Beiträge

tuvok
26.3.2013 22:14
Filmkritik: Liebe (Amour)

118 Minuten, MICHAEL Haneke hat die Regie geführt, er ist 1942 in München geboren und hat den Film „Das weiße Band“ gemacht und wer den Film kennt wird wissen dass die Filme von Haneke nie leicht sind. Dieser auch nicht. Ich wollte 3 x das Kino verlassen, habe dauernd heulen müssen, ist so ein Nebeneffekt wenn man nahe am Wasser gebaut ist, aber ich habe ja noch eine Trösterin bei mir sitzen, die ich eigentlich die ganze Zeit trösten mußte. Wer das kennt wie es ist wenn aus deiner Familie wer alt ist und krank, wenn der langsam dahinsiecht und sich nur mehr den Tod wünscht, wenn derjenige den du liebst immer mehr abbaut und dich in den Strudel reinzieht, den Strudel zwischen, Ich brauche Hilfe und Ich will sterben.

Ja ein Horror. Ich finde dass die Darstellung von Jean-Louis Trintignant meiner Meinung nach die beste Hauptrolle hätte verdienen sollen, 2013 beim Oscar, der Film ist zwar weniger lebhaft, aber viel besser als „Argo“ denn endlich ein ehrlicher Film, einer der das Leben zeigt wie es ist.

Der 1930 geborene Jean-Louis ist ein französischer Schauspieler und Filmregisseur und über die Grenzen weltbekannt. Vielleicht kennt wer noch aus 1983 „Wespennest“ mehr Filme fallen mir auch nicht ein. Er hat 5 Nominierungen erhalten, 5 Preise hat er in seinem Leben gewonnen, der Film hat 42 Preise gewonnen und 36 Nominierungen erhalten.

Hoch loben muss ich gleich die Rolle der 1927 geborenen Emmanuelle Riva, die einfach nur perfekt ist. Wer Judi Dench aus „Iris“ kennt wird wissen was ich meine. Damals wollte ich der Judi Dench schreiben dass sie nicht verzweifeln soll wenn sie krank ist, ich dachte sie sei echt krank, und nun bei der Dame dachte ich, sie sei in echt behindert und alt und stirbt bald.

1959 hat sie in „Hiroshima, mon amour“ gespielt, der einzige Film den ich mit ihr kenne, das ist aber schon lange her.

Die berühmteste Rolle im Film hat EVA, Isabelle Huppert spielt sie, 1953 in Paris geboren und bekannt aus dem Film „Das Schlafzimmerfenster“, dieser hier ist für sie eine gewöhnliche Rolle, also sie kann ich nicht sonderlich loben, weil sie zu wenig in Erscheinung tritt, aber das was sie sagt und wie sie reagiert, ja sie ist eine glaubhafte Tochter, allerdings kann ich über sie wenig erzählen da ich nach dem Film noch Tagelange nachher an das Ganze dachte, an meine Verwandten und hin und wieder auch weinen mußte, weil das einfach so ist, man wird alt und krank, alles was du gespart hast ist weg und alle deine Lieben bis auf deine Kinder, wenn du Glück hast, vertschüssen sich.

Der Film zeigt einfach die Liebe, das Leben, wie ist es wenn ein pensionierten Pariser Musikprofessor seine Frau pflegen muss, wie ist es wenn die einen Schlaganfall hat, der Film übrigens wurde deswegen gedreht weil Haneke, der Regisseur, so was Ähnliches in seiner Familie erlebt hat. Dass der Film am 20. Mai 2012 im Rahmen des Wettbewerbs der 65. Internationalen Filmfestspiele von Cannes uraufgeführt wurde und die Goldene Palme gewann ist nur ein verdienter Preis.

Dass er 2013 den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann ist nur gerecht, und auch den Golden Globe Award für denselben Preis, ja das ist auch nur gerecht.

Der Film fängt in der Zukunft an die Feuerwehr bricht eine Türe auf, die Nachbarn haben das gemeldet, lange ist es her seit die 2 Leute zu sehen waren. Viel zu lange ist es her seit wer von den 2 alten Leuten was gehört hat, und unwillkürlich fällt einem ein der Vorfall dort oder dort, wo man einen Toten fand, ungeliebt, alleine gelassen, in Schmutz und Kot, einfach grässlich, ja es gibt leider solche Fälle.

Die Beamten finden in der Wohnung eine Frau die tot ist, lange ist sie schon tot, der Leichnam der Frau, ANNE heißt sie im Film, ist schön geschmückt, hat Blumen am Körper und liegt auf einem Ehebett.

Und nun fängt die Rückblende an. Beide sind Musikprofessoren, 80 Jahre alt, ANNE war Klavierlehrerin und Ihr Mann hat, keine Ahnung was der jetzt gearbeitet hat, aber die Liebe zur Musik war das wichtigste in Ihrem Leben, 50 Jahre oder so waren sie verheiratet.

Eines Abends waren sie auf einem Konzert von Schubert, dem Komponisten. Das hat Ihr früherer Schüler gegeben, Alexandre der im Théâtre des Champs-Élysées gelernt hat. Als sie nach Hause kamen ist die Wohnungstüre aufgebrochen und von da an geht es bergab, denn ANNE fällt in einen katatonischen Zustand und weiß nicht mehr was war.

GEORGES Ihr Mann, entdeckt dass sie keine Erinnerung mehr hat. Am nächsten Tag oder so gehen sie zu einem Arzt, der stellt fest dass sie eine verengte Halsschlagader hat, ein Schlaganfall eben. Klar wird sie operiert, die OP ist natürlich erfolglos, und ab da fängt eigentlich der Film an zum besten Familiendrama seit Jahren zu werden, denn verpatze Operationen gibt es leider immer häufiger, aber was ist wenn du das erlebst? Was ist wenn es ein geliebter Mensch von dir ist, wenn das Ganze irreparabel ist?

Die rechte Körperhälfte von ANNE ist gelähmt, sie sitzt im Rollstuhl, Ihr Geist ist zwar noch wach, aber sie verfällt zusehends, immer schneller, Weder Tochter noch Bekannte können was machen, man zieht sich immer mehr zurück.

GEORGES ist mit der ganzen Situation natürlich überlastet, seine einzige Möglichkeit sind Erinnerungen an früher, wie er mit ANNE zusammen war, sonst würde er der harten Realität nicht gewachsen sein, die Familie hat keinen TV, sie haben Bücher, viel haben sie früher gelesen alles mit einander gemacht, nun muss GEORGES Ihr Pfleger sein.

2 Krankenschwestern stellt er ein, was anfangs nicht so einfach ist. Wer will schon von einer fremden Person gewickelt werden, dann fängt ANNE an bettlägerig zu werden, sie erleidet Inkontinenz, ja die ganzen Dinge halt die man nicht haben möchte wenn man alt ist, und das Ganze ist so furchtbar und echt anzusehen.

Da merkst du jede Regung der Darsteller, da merkst du wirklich dass die Darsteller leiden, oder ist das gar echt?

GEORGES ist fertig mit den Nerven und als Anne kein Wasser mehr trinken will, aus der Schnabeltasse und ihn anspuckt, gibt er Ihr eine Ohrfeige.

ANNE verlernt zu reden und kann nur mehr Mal sagen, das ist französisch für schlecht. EVA taucht hin und wieder auf, natürlich ohne sich anzumelden, aber das will der Vater nicht, er will nicht das die Tochter so Ihre Mutter sieht, zu grausam ist alles.

Klar gibt es Streit, die Tochter EVA die lange nicht mit den Eltern Kontakt hatte, jetzt den aber sucht, muss noch dazu mit Ihrem Vater streiten das sie Ihre Mutter sehen darf.

Da Haneke so was Ähnliches erlebt hat mit seiner Tante die nach dem schweren Rheuma am ganzen Körper Selbstmord verübt hat, sah er sich befähigt den Film ins Kino zu bringen. Er hat auch ein gutes Händchen dafür, und ich muss sagen, eigentlich ist jeder Film von ihm ein Meisterwerk auf seine Art. Entweder kontrovers, spannend, oder einfach nur grausam, lebendig oder irgendwie Besonders.

Haneke hat auch das Drehbuch verfasst, die Story wollte er ja schon 1992 ins Kino bringen aber er konnte nicht schreiben, hatte keine Ideen und das Projekt ruhte, bis er anfing zu schreiben, er hat nicht mal das Ende gewusst, hat einfach die Rolle für die 2 Schauspieler auf den Leib geschrieben und einfach mal gewartet was sich so ergibt. Ja ich glaube Haneke ist einfach ein Genie.

Die Produktionsleiterin Margaret Ménégoz hat den Jean-Lous überreden müssen den Film zu machen, da dieser die Story zu depressiv fand und meinte, dass er den Film sich nicht im Kino anschauen wird, aber wie es halt so ist, Frauen können gut überreden, und ich bin froh das es Margaret geschafft hat.

Gedreht wurde nicht in einer Wohnung, sondern in den TSF-Filmstudios in Épinay-sur-Seine, nördlich von Paris, was ja auch egal ist.

Bei einer Szene hat sich Jean sogar die Hand fast gebrochen, als er mit einer Taube trainieren mußte, eine Szene die kurz im Film war, aber 3 Tage glaube ich gedauert hat, ja die Dreharbeiten mussten weiter gehen, und so hat man es auch gemacht, man merkt im Film gar nicht das er sich die Hand verletzt hat, ja einem guten Darsteller siehst du so was nicht an.

Übrigens die Wohnung im Film ist so entworfen weil die Wohnung der Eltern von Haneke in Wien so ungefähr ausgesehen hatte und da Haneke oft in Wien ist, hat er den Film gleich nachbearbeitet, da er mit dem Digitalen Bild und einigen Dingen nicht zufrieden war, ja auch das hat er selber gemacht, der Typ hat viel drauf.

Der Film hat keine Filmmusik, ist auch gut so, die Dialoge sind minimal und genauso wie man es sich vorstellt, sie sind nicht übertrieben und ich finde sie sind gut in Szene gesetzt, man merkt dass die Darsteller eine Ahnung haben von dem was sie spielen. Man merkt irgendwie beim Anschauen dass Haneke sich viel Mühe mit dem Film gegeben hat, eigentlich ist da nicht viel zu sehen oder zu hören, aber für das bisschen muss ich sagen, Respekt.

Nun zur Darstellung, ja ich kann nur sagen, einfach perfekt nichts zu bemängeln, hätte man nicht besser machen können, selten so einen Film gesehen. Der geht dir wirklich ins Hirn, der tut wirklich weh, Filme wie dieser sollten viel öfters ins Kino kommen, nicht nur der ganze Action Dreck.

Ich glaube den Film hätte man nicht besser machen können, sicher ist er nicht so spannend, er ist langweilig vielleicht, aber irgendwie als Gesamtkunstwerk ist er spannend, man will wissen wie es weiter geht und das ist auch gut so. Der Film ist anspruchsvoll und nichts für die Massenkinofilmgeher.

Sondern für die ausgewählten Kinofilmzuschauer. Haneke ist meiner Meinung nach einer der besten Regisseur de Welt, und er ist mit CHRISTOPH Waltz verwandt, aber das ist ein anderes Thema.

Ich würde sagen 94 Punkt und nicht weniger von 100
 


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20.02.2017 05:41:15
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