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Filmkritik: Ziemlich beste Freunde

Diskussionsverlauf

Filmkritik: Ziemlich beste Freunde (tuvok, 15.02.2012)

Beiträge

tuvok
15.2.2012 19:54
Filmkritik: Ziemlich beste Freunde

Mit 8 Jahren hat man ihn aus Afrika importiert, rein nach Frankreich, sie wollten ein Kind, IDRISS heißt er eigentlich, doch im Viertel gab es zu viele, es war ein gewalttätiges Viertel damals in Frankreich, Neger nicht gerade beliebt, der Rassismus groß, die Kriminalität noch größer. DRISS ist über geblieben. Der Name ist kürzer, man kann ihn sich merken. Seine Familie besteht aus ADAMA, den er immer zurecht weisen muss. Der 34 Jährige Schauspieler bekannt aus „Micmacs - uns gehört Paris“ ist kein besonderer, aber hier im Film hat er den Vogel abgeschossen. Nicht nur das er glaubhaft einen Aussteiger spielt, einen der genug von Gewalt und Brutalität hat, der genug von Arbeitslosigkeit und Armut hat, nein auch der Junge ADAMA, sein Bruder, der hin und wieder mit Drogen dealt, und davon träumt jedem die Schnauze einzuschlagen, nein auch vor allem PHILIPPE um den es sich dreht.

Der 3. und 4. Halswirbel ist gebrochen, alles ist von oben ab gelähmt, die Frage nach dem Sex bei Rollis, endlich aufgelöst, nein er hat nichts mehr damit zu tun, ja er ist ein Krüppel und er kann nur mit den Ohren erotisch fühlen, aber er hat Geld, Geld wie Heu, 11.000 € für nen 2 Stunden Flug mit nem Privatjet, ja und? Bilder um 40.000 € kaufen, ja und? Man gönnt sich sonst nichts.

Nein er hat nicht alles, Freundschaft, Gesundheit, Liebe, Zärtlichkeit, einer der ihn aufhebt und den Arsch wischt, wer weiß wie sich ein Tetraplegiker fühlen kann, der weiß wie schlimm der Film sein kann. Querschnittgelähmt, ein wahrer Horror doch auch dann wieder nicht. Sicher so Sachen wie, ein kaputter Darm nach 20 Jahren der nicht mehr tätig ist, der nichts mehr taugt, wo du 3 Wochen nicht scheißen gehen kannst unter Umständen, was macht man dagegen? Massage, Öle? Nein, Gummihandschuh an, in den Arsch rein, Kacke rausholen. Nein das ist kein Scherz, das ist ernst, manche Menschen brauchen das, sind bewegungsunfähig, nichts geht mehr, sie leiden sie haben Schmerzen aber sie ertragen es stoischer, mehr als ich wenn ich mir in den Finger schneide und einen Nationalfeiertag deswegen brauche.

Ja die Story gab es damals wirklich, es war die des französischen Geschäftsführers des Champagnerherstellers Pommery Philippe Pozzo di Borgo, er war Spitzen und Extremsportler, der am 27. Juni 1993 beim Paragliding abstürzte und sich dabei so schwer an der Wirbelsäule verletzte, dass er eben gelähmt blieb, der wohnte damals im Pariser Palais Hôtel de Longueuil im 7. Arrondissement, also im 7. Bezirk von Paris, hier die Vorgeschichte im Film sieht man nicht, nein, dafür die Depressionen, kurz aber bündig, die Schmerzen, kurz aber bündig.

Ist auch genügend, denn der Film konzentriert sich darauf wie PHILIPPE seinen Pfleger fand, 24. Stunden rund um die Uhr, 5.000 € kostet so was im Monat, wenn es teuer wird, ja er hat einen gefunden, den sympathischen Algerier Abdel Yasmin Sellou der wirklich eine schlimme Vergangenheit hinter sich hatte.

Tja, PHILIPPE ist stark deprimiert, IDRISS hier im Film DRISS eben, ist sein Pfleger, beide Unternehmen eine Reise nach der anderen. Wieso deprimiert? Wegen der Lähmung? Nein, 1996 starb seine Frau an Krebs, die Tochter ist ein verwöhntes 16 Jähriges Miststück und er hat noch immer keine Frau gefunden. Will er auch nicht, wer mag schon einen Krüppel?

Wie sieht die Welt heute aus? Ja kann man nachlesen, PHILIPPE ist mit seiner 2. Frau glücklich und lebt in Marokko, ich vergönn ihm alles Glück der Welt, SELLOU auch, der lebt in Algerien, ist verheiratet hat 3 Kinder und hat einen Masthähnchenbetriebs in Algerien.

Pozzo die Borgo ist ein Schriftsteller, 2001 schrieb er das Buch, die Filmrechte kamen dann bald. Tja, man hat lange gekämpft doch der Regisseur vom Film hat alles gut gemacht, das Drehbuch ist super, eine Bedingung gab es, 5 % der Filmeinspielergebnissen werden gespendet. An den Förderverein für Behinderte Simon de Cyrène gehen, und das sind doch einige Millionen vielleicht?

Mein Geld hat er auf alle Fälle und ich bin heilfroh den Film gesehen zu haben, ja das ist ein Must Have Film, ein Must See Film, ein Film der Mut macht. Ein Film wie ihn nur das Leben schreibe kann, der seine Hoch und Tiefs hat, der Längen hat und auch komödiantisch ist, der aus Frankreich kommt, den Hollywood nie so bringen würde oder könnte, so rein, so ohne Pomp, einfach super.

Sicher, der Film ist nicht geheimnisvoll, er ist etwas vorhersehbar, er ist nicht mystisch, er ist aber sehr gut, er ist spannend auf eine gewisse Weise, er hat eine sehr gute Story und hervorragende Schauspieler die natürlich spielen. Was mir am Film gefällt, Probleme werden ungeschönt dargestellt und beredet, und das ist gut so, Reichtum und Armut, DRISS ist in dem Haus und wohnt dort, er hat ein Zimmer im Haus des Millionärs. Einfach super der Film, die Story, die Leute, Nebenrollen nicht gut besetzt, alles irgendwie gewöhnlich, aber macht nichts, der Film lebt von den 2 Leuten, ein bisschen mehr Fehler oder wie man das nennt und der Film wäre langweilig, nein er hat den Sprung geschafft und man sollte sich den merken auch wenn Filme wie „Ich bin Sam“ besser waren.

Der Film hatte Neun Nominierungen für den César 2012, den Französischen Oscar. Das beste war ja am Anfang, eigentlich wollte DRISS nur ne Unterschrift haben für das Arbeitsamt, die Typen sind da unten genauso blöd wie bei uns stecken Leute in Kurse rein um Zahlen zu schönigen, Kurse die viel Geld kosten wo der Kunde am Arbeitsamt lernt wie man sich bewirbt, Saublöde Kurse die nichts bringen, 6 Wochen dauern und reine Schikane sind, ja Frankreich ist nicht anders.

Was den Anfang so schön macht, so sich zu merken, ein Mann kann nichts, will nur ne Unterschrift, ist vorlaut und witzig und was kommt? Ja er wird eingestellt, lernt alles von der Pike auf, und in 10 Jahren sind die beiden wie Brüder, die besten Freunde. Ja GOTT hat die 2 zusammengeführt.

Wenn es Leute gibt die selten ins Kino gehen dann sollte man ich den Film anschauen und noch andere, so viel wurde über den Film geredet und er ist es Wert, ich hoffe er spielt viel ein und gewinnt Preise. Ja man erwartet sich mehr, 109 Minuten Film ist nicht zu lange, man hätte mehr daraus machen können, macht aber nichts. Die Story mit der Frau, er will ne Frau kennen lernen, DRISS spielt seinen Postillion D´Amour, lustig das Ganze, oder wie die 2 Paragleiten gehen, Tandemgleitschirmflug, DRISS leidet unter Höhenangst doch er ist ein Mensch der einfach probiert und nicht quakt wie viele von uns, die zuerst quaken, nicht probieren und dann bewerten, ja so was mag ich gar nicht.

Der Film ist sehr unterhaltsam aber nicht so kreativ wie ich es mir wünschte, viele ruhige Szenen, Philippe hat Panikattacken usw. die Luft blieb ihm weg, ja da fehlt einfach mehr im Film, um ihn in den Himmel zu loben, doch mein Herz hat er erreicht, der Film ist nämlich ehrlich und gut gemacht, er hat ein gutes Drehbuch, mit einigen langweiligen Dingen, ich hätte gerne mehr Action gesehen gerne mehr von den 2 was sie machen oder wie es am Ende weiter geht, man sehnt sich direkt danach dass die 2 sich um den Hals fallen und küssen, nun ja, die 2 sind Freunde, und was gibt es stärkeres als Männerfreundschaft? Genau, Teenager Mädchen Freundschaft, die ist so stark dass man sogar über die Schleimspuren im String Tanga 2 Stunden reden kann, igitt.

Gelacht habe ich bei dem Film nur wenig, das Herz, das ist es was der Film anspricht, echt super, weiter so Frankreich.

91 von 100 Punkten.
 


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26.05.2017 17:13:26
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