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Filmkritik: Der Knochenmann

Diskussionsverlauf

Filmkritik: Der Knochenmann (tuvok, 01.04.2009)

Beiträge

tuvok
1.4.2009 15:55
Filmkritik: Der Knochenmann

Komisch, die Vorschau des 122 Minuten Filmes ließ mich denken, was für ein langweiliger Film sicher so ein Österreichischer Scheißdreck den keiner braucht, aber ich sage gleich zu Beginn, es ist einer der besten Österreichischen Filme die ich je sah. Der Film ist nicht nur spannend sondern auch gut gemacht er hat eine intelligente Story, hat schwarzen Humor, teilweise nicht so dass man sich denkt, he was ist mit den Drehbuchschreibern los haben die nichts anderes im Schädel, sondern er ist gut gewählt und gut platziert. Der Film hat eine durchgehende gute Handlung er hat sehr gute Darsteller, er hat eine hübsche Hauptdarstellerin, ne blonde Kellnerin die irgendwie so lasziv schmutzig sexy versaut und trotzdem freundlich intelligent unkompliziert und einfach wirkt, und ich glaube ich werde meine Alte gleich umtauschen gehen in der nächsten Umtauschzentrale, vielleicht im Puff in Bratislava, denn da fängt der Film nämlich an.

Mein nächster Liebling ist mein alter Liebling und mein Lieblingsschauspieler und Kabarettist oder einer davon in Österreich nämlich der 1962 geborene JOSEF Hader, der in Nöchling, einem Kaff im Bundesland Oberösterreich geboren ward. Er ist Kabarettist, ein sehr guter, er kann singen, spielen Gitarre, Klavier, Piano, er spricht 3 Sprachen glaube ich, er ist intelligent, hat 1982 mit 20 Jahren sein 1. Solo Kabarettprogramm geschrieben, ist dann ausgestiegen war in Filmen beteiligt, spielt hier das 3. X die Rolle vom Polizisten Brenner der so schön ausgebrannt ist, so richtig ein ausgebrannter Al Pacino Typ in Österreich, arg das es so was gibt. Der JOSEF braucht kein Method Acting, der hat es zwar nicht aber er ist nahe dran und er wirkt glaubhaft nicht so richtig realistisch das muss ich schon sagen, sondern eher wie ein Schauspieler aber ein sehr guter, vielleicht weil er beim Roten Kreuz selber war kennt er sich aus und kann gut Gefahren einschätzen und auf Situationen die gefährlich sind zugehen was man im Film sieht so gegen Ende, aber das verrate ich nicht.

„Komm süßer Tod“ aus 2000 und „Silentium“ aus 2004 waren die Rolle wo er eben den Polizisten spielte. Ständig hat er was lustiges verschmitztes in seinen Augen und selbst wenn er Ernst dreinschaut, er kann meiner Meinung nach nicht so Ernst sein, denn ich weiß er war Kabarettist, seine Aussagen wie - Dennoch würde er nach Eigenaussagen niemals aus der Katholischen Kirche austreten, da er dort die ersten „Linken“ kennengelernt habe - passen ja gut. Und er wird immer einen guten Blick für das Witzige und das Schwarzhumorige haben. Schön in dem Film war das sein Kollege SIMON Schwarz der Berti wieder dabei ist, so eine grindige Beamtensau eigentlich, aber ein dennoch netter Kerl wenn auch geldgierig wie der Großteil der Leute und trotzdem ein einfacher Kerl, der irgendwas Geheimnisvolles hat dass sich dann aber als Kindliche Blödheit entpuppt, der spielt auch sehr gut. Er ist meiner Meinung nach ein guter Wiener Schauspieler, er redet nach der Schrift, er passt sehr gut meiner Meinung nach und er hat Erfahrung. Eh klar. Neben einer Tanzausbildung im Tanzforum Wien und am Tanztheater in Zürich, sowie einer klassischen Ballettausbildung nahm er Schauspielunterricht an der Zürcher Anne Woolliams Schule und besuchte die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin

Bekannt wurde er mit den Siebtelbauern, einer Art Serie, die sehr gut ist. Der Hader hat eine Menge Preise gewonnen, und die sind wirklich beachtlich.

• 1985 Salzburger Stier
• 1986 Österreichischer Kleinkunstpreis Förderpreis
• 1990 Deutscher Kleinkunstpreis in der Kategorie Kleinkunst
• 1992 Österreichischer Kleinkunstpreis Hauptpreis gemeinsam mit Alfred Dorfer für „Indien“
• 1993 Deutscher Kabarettpreis Hauptpreis
• 1993 Förderpreis zur Kainz-Medaille der Stadt Wien für das Programm „Im Keller“
• 1999 Nestroy-Ring
• 2000 Romy für „Komm, süßer Tod“
• 2009 Großer Diagonale-Schauspielpreis für seine Leistungen im österreichischen Film
Mehr als ich eigentlich. Was mich an der Story wundert, ist dass man so viele verschiedene Arten von Genres in einen Film gepackt hat und trotzdem hat er gut gewirkt, trotzdem hat er seine stringente Mittellinie nicht verlassen und trotzdem wirkt der Film weder ordinär obwohl perverse Szenen vielleicht vorgekommen sind, er wirkt nicht plakativ im Bereich Splatter obwohl Reminiszenzen mit Hostel ruhig zugelassen sind, er wirkt nicht abartig obwohl Abartigkeit vorkommt, er wirkt authentisch und realistisch und er lässt für Bewohner das typische, he wo ist das denn gedreht worden das kenn ich doch, aufkommen. Oder ein, he hier was ich mal im Urlaub oder He das kenn ich da habe ich meine Alte flachgelegt als ich noch jung war, und schon gibt´s ne Schallende Ohrfeige von der Freundin.

Es ist wirklich eine gute Story und ich muss sagen ich bin froh dass ich den Film gesehen habe. Er spielt in der Gegend von Bad Gleichenberg, obwohl er gedreht wurde in Niederösterreich statt in der Steiermark, aber das macht nichts. Die ganze Story eigentlich ist anfangs recht einfach und wirkt gar unscheinbar, ungefähr so wie „Import / Export“ auch einer meiner Lieblingsfilme. Hier geht es wie gesagt nie um Action und Brutalität, es sind kleine Arthausähnliche Filme die etwas von allem haben und das wahre Leben schildern die übliche Tristesse, der alltägliche beschissene Wahnsinn und trotzdem übertreiben sie nicht. Sicher hätte man jetzt Szenen nennen können wie der Chef vom Puff aus Bratislava der seinen Kumpel sucht, und mit einem kaputten Bein auf einer Serpentinenstraße im Schnee auf der Straße eben sitzt im Rollstuhl, und eine Pistole in der Hand hat, als die Polizei kommt und ihn fragt ob er bescheuert ist, hat er nur sein Visum hoch gehoben und wenn man die Szene sieht, wirkt sie allerliebst irgendwie lustig.

Die Darstellerin Birgit, die finde ich einer der besten Nachwuchsdarstellerinnen in Österreich, 1977 geboren ja ne wirklich gute Rolle hatte sie, sehr glaubhaft. Und ich wage sogar zu behaupten ohne Hader ginge die Story noch, die ist gut aber mit Hader, einfach super.

Was mir an JOSEF Murnberger als Regisseur gefällt ist dass er gar keine Langeweile aufkommen lässt, unnötige Längen vermeidet, Spannung in die Story bringt, dazu keine Effekte braucht, und er schafft einen urbanen Charme in die Story rein zubringen, die ja schon 2 x umgeschrieben wurde, zumindest die Rolle von JOSEF Bierbichler der den Löschenkohl spielt und aus Bayern stammt, ein herrlicher Akzent die Leute und dann hat die Produktionsfirma die ihn ja wollte dann das O.K. bekommen dass er dann dabei ist, ja ein richtiger Exzentriker der Bierbichler der nur ganz wenig spielt und sich seine Rollen aussucht, obwohl er kein Millionär ist ne er ist einfach und bescheiden nicht so wie in Amerika, er ist ein Klasse Darsteller und er wirkt auch so, ruhig einfach und bescheiden nein wirklich ein guter Bayerischer Darsteller, ich freue mich schon ihn wieder zu sehen

Und am Ende vom Film dachte ich, he der Mörder ist ja eigentlich ein toller Kerl, ein armer Kerl, ein sympathischer Mensch alle anderen sind Trotteln. Anfangs übrigens sah man die Szenen mit der Tiermehlmühle, ab heute bin ich Vegetarier, echt unschöne Bilder sie sehr gut aufgenommen wurden beabsichtigt grauslich und jeden Horrorfan das Kotzen hervorlocken.

Ach ja - Wolf Haas der Schriftsteller von dem ROMAN und den anderen, hat einst nach dem Film „Komm, süßer Tod“ in einem Interview gesagt, dass er es schon vorher gewusst hat dass der Regisseur Wolfgang Murenberger der richtige Regisseur für die Verfilmung seiner Geschreibereien wäre, obwohl sich Schriftsteller und Regisseur vor dem Film nur 1 Stunden trafen und beredet haben, was für eine Scheißidee es sei, Haas Brenner-Krimis verfilmen zu wollen. Von Anfang an war man sich klar, es muss eine Offstimme geben, unbedingt. Bei „Silentium“ hatten sie dann noch mehr Mut bewiesen, den Stoff als Film neu zu erfinden. Und mit dem Film jetzt haben sie eine ganz neue Erzählstruktur erfunden, das ganze wurde transparent für jeden durchsichtig, von Kritiker über Cineast, einfach jeden. Erstmals darf man hier ernsthaft die frevlerische Frage stellen, ob nicht sogar die Kinovariante gegenüber der Vorlage das merklich größere, tiefere Kunstwerk geworden ist.

Vom Roman ist nicht viel übriggeblieben außer die paar Figuren und Motive. Was neu dazu kam in größerem Maße ist die Liebe. Man hat das Gefühl, dass nun, im dritten Teil der Filmtrilogie, die schon immer starke Symbiose von Haas, Hader und Murenberger endgültig perfektioniert ist. Denn bei aller Schwärze, und auch, wenn die Handlung gegenüber dem Roman vom Aufblühen des Frühlings in die tote Erstarrung des Winters verlegt wurde: Der Knochenmann ist nie zynisch, und er ist keineswegs ein hoffnungsloser Film. Das Lied
»Love Hurts« ist, durchaus programmatisch, ein anderes Lied, das die Faschingsball-Band anstimmt. Und in der Tat: Was ist schon ein abgetrennter Finger gegen ein gebrochenes Herz?

Und nun zu allerletzte die Handlung:

Weil Privatdetektiv BRENNER (Joseph Hader) gerade wiedermal etwas knapp bei Kasse ist, hilft er seinem Kumpel BERTI (Simon Schwarz) aus, geleaste Autos mit unbezahlten Monatsraten zurück in die Garage zu holen. Dieser Job führt ihn aufs Land zu einer abgelegenen Imbissbude, die für ihre knusprigen Backhendl bekannt ist. Dort soll BRENNER einen gewissen HORVATH ausfindig machen. Dessen Auto ist schnell aufgespürt, doch vom Besitzer fehlt jede Spur. Dafür lernt er Wirt Löschenkohl (Joseph Bierbichler) sowie dessen Sohn und Junior-Chef PAULI (Christoph Luser) kennen. Dass die beiden nicht gerade ein Herz und eine Seele sind, merkt Brenner spätestens, als PAULI ihn beauftragt, seinem Vater nachzuspüren, da seit einiger Zeit größere Geldmengen aus der Restaurantkasse spurlos verschwinden. So quartiert sich BRENNER in der Beiz ein, kann sich aber nicht recht auf seine Aufgabe konzentrieren, da ihm die fesche BIRGIT (Birgit Minichmayr), ihres Zeichens Ehefrau von PAULI, den Kopf verdreht. Und wäre nicht alles schon schlimm genug, raubt ihm nachts auch die laute Hendl-Knochenmahlmaschine im Keller den Schlaf. Dass diese auch für ganz andere Zwecke dienlich sein kann, wird BRENNER erst viel später bewusst...

Nein es ist eine wirklich gute Geschichte, ich bin positiv überrascht und ich freue mich jetzt schon auf dessen nächstes Werk

90 von 100
 


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27.05.2017 00:52:26
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