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Filmkritik: Der Mann der niemals lebte

Diskussionsverlauf

Filmkritik: Der Mann der niemals lebte (tuvok, 30.12.2008)

Beiträge

tuvok
30.12.2008 20:40
Filmkritik: Der Mann der niemals lebte

Der Film wird deine Gedankenwelt ändern. Er wird dafür sorgen dass du vielleicht ein bisschen mehr die Terroristen verstehst, wieso die USA der Satan ist, wieso die in den Irak einmarschiert sind, wieso die am absteigenden Ast sind, und wieso es sich wagt so ein Volk wie die Iraker zu wehren, wieso es Terror gibt und wieso man Amerika hasst. Sicher gibt es andere Filme die den Terror verständlich machen, und es ist ja schon gefährlich genug darüber zu reden oder zu denken, aber mal ehrlich was machen wir wenn wir besetzt werden? Wie wehren uns. Was macht der Terrorist? Er wehrt sich eigentlich. Was macht die USA? Sie wehren sich auch. Was ich damit sagen will?

Der Film polemisiert nicht, er polarisiert und mal wieder nicht, er beschimpft, er beleidigt, aber sehr wenig, viel mehr er stellt einen Standpunkt klar, er hat eine klare Geschichte in mitten im Leben, mitten im Krieg, mitten im Irak, in Syrien, in Dubai, in Amerika, in Jordanien. Niemals habe ich in den 123 Minuten vom neuen Ridley Scott Film gemerkt dass der Film sich lustig macht, wem verarscht. Nein er stellt beide Parteien als gut und Böse hin. Ich hätte gerne mehr von der Bevölkerung gesehen die in dem Film von Aisha dargestellt wurde.

Die Handlung ist ja eigentlich schnell erzählt:

Der lang dienende in Jordanien lebende CIA-Agent ROGER FERRIS (Leonardo DiCaprio) ist Anti-Terror-Spezialist im Nahen Osten. Er hat die Aufgabe mit den Einheimischen Kontakt zu knüpfen vor allem Politischen Kontakt, auch zu Regierungsvertreter, vor allem aber zu Leuten die mit dem Terror zu tun haben. Er spricht fließend Arabisch und ist der beste Mann vom CIA derzeit. Nach Vor kurzem hat Washington ein paar Agenten losgeschickt die eine heikle Aufgabe leider vermasselt haben, bei der sein Arbeitspartner und ein Informant sterben, kann FERRIS noch im letzten Moment einige Compact-Discs und Videobänder retten, welche in einer Feuerstelle verbrannt werden sollten. Dass ganze spielt sich in einer Wüstengegend in der Nähe von Amman ab.

Anhand dieser stellt er fest, dass einer der Anführer einer terroristischen Organisation in Jordanien lebt. Es geht um Scheich AL SALEEM der Anführer einer berühmten Terrorzelle ist die jüngst in Europa einige Anschläge zu verantworten haben, leider auch in Amerika. Diesen Herrn spielt ein 43 Jähriger Israeli, was eine mutige Besetzung ist.

Die Terroristen sind für die hoch technologisierte CIA schwer zu fassen, weil sie ohne Mobiltelefone und nicht mit Hilfe des Internets agieren und alle Aufträge mündlich, per Zeichensprache oder auf kleinen Zetteln in toten Briefkästen übermitteln. Sein Vorgesetzter ED HOFFMAN (Russell Crowe als nicht gestresster Familienvater) schickt ihn in das Land, damit FERRIS als Leiter der dortigen Einheit persönlich den Terroristen sucht. FERRIS verbündet sich mit dem intelligenten Chef des jordanischen Geheimdienstes, HANI (der aussieht wie der arabische Alec Baldwin, elegant, galant, ritterlich und hoch gefährlich). Doch der politische Druck ist seit Selbstmordattentaten in Manchester und Amsterdam so groß, dass Hoffman zu einem risikoreichen Manöver gezwungen ist, welches ebenfalls schief geht: Um an den Kopf der Terrororganisation zu kommen, bauen die beiden auf dem Papier eine Terrororganisation auf und stehlen dafür die Identität eines islamischen Architekten.

Meine Meinung und Infos:

Der Film ist ungefähr so wie ne Mischung zwischen „Heat“ und ein bisschen „Collateral“ und dazu ein paar andere Filme wie „Departed“ und genauso eine gute Rolle spielt der Olle Leonardo. Für das Gute kämpft er, muss einen hohen Preis bezahlen, befindet sich als Schaf unter den Wölfen. Er hält viel aus, lebt gefährlich, also wenn man sich vorstellt so einen Job zu haben, nein Danke. Hoch gefährlich, stressig, und dauernd auf der Flucht. Aber eher innerlich. Er hat keine Familie. Er hat keine Freunde. Er lebt alleine. Und er spielt verdammt gut.

Das Drehbuch ist vielleicht nicht dass spannendste, dauernd muss man sich anstrengen worum es geht, und man darf nicht den Faden verlieren. Der Film hat wenig Dialoge eigentlich, aber dafür ist er spannend gemacht leider ist er oft zu akademisch kompliziert. Wer mir sehr gut gefallen hat ist auf alle Fälle der Chef vom Jordanischen Geheimdienst, man sieht wirklich dass er als Verbündeter der USA agiert und man merkt in jeder Bewegung dass er jederzeit ein gefährlicher Gesprächspartner und Verbündeter sein kann. Einfach herrlich wie er wirkt. Und was mir noch gefallen hat, er ist ein richtiger Ritter. Ein Mann mit Charakter, ein großer Unterschied zu den Amerikanern aber seien wir mal ehrlich, die Leute haben oft nur ein Land zu retten und zu beobachten Amerika muss sich um die ganze Welt kümmern oder nicht?.

Was an dem Film auch interessant ist. Das Produktionsunternehmen Warner Bros. beauftragte im März 2006 William Monahan mit dem Drehbuch. Ein Jahr später wurde die Scriptvorlage von David Ignatius mit dem Titel Penetration als Roman veröffentlicht und erhielt den Titel Body of Lies, weswegen auch das Filmprojekt umbenannt wurde. Als Hauptdarsteller wurde Leonardo DiCaprio gewonnen, der zu diesem Zeitpunkt noch über die Details seines Vertrags verhandelte. Währenddessen suchte Ridley Scott in Marokko geeignete Filmsets

Man glaubt gar nicht was alles in dem Film steckt. Ich dachte echt dass die dauernd herumgefahren sind, von einem Land ins andere. Ich warte ja nur noch auf einen Film über die Hamas, und ich bin ehrlich gesagt froh dass ich endlich den Film gesehen habe, und dass ihn Ridley Scott gemacht hat. Es ist ein sehr wichtiger Film, ein politischer Film, ohne aber irgendwem zu verarschen dass gefiel mir an dem Film sehr gut.

Übrigens für eine in England spielende Szene wurde echte Ausrüstung der britischen Polizei verwendet. Was ich an den Dreharbeiten gut heiße, die Explosionen sind alle echt, nichts ist hier im Film digital gemacht worden, ich glaube eigentlich gar nichts. So und jetzt die Kritik. Ich muss sagen dass „American Gangster“ eigentlich besser war, spannender und wenn man sich bedenkt was da für Superstars mitspielen, wieso eigentlich hat Ridley nicht dafür gesorgt dass das Drehbuch dich umhaut. Der Film hätte total dass Zeug dazu dass es dich umhaut.

Zu viel wurde auf Politik, Anspruch und Direct to Video gezeigt. Alles wirkte wie echt, ja ist schon ein Erlebnis, aber nein ich möchte doch lieber einen Film sehen der so richtig altmodisch ist. Geht ja vielleicht nicht, aber ich hätte es mir bei dem Film gewünscht. Was man sich vielleicht denkt, die ganzen Landschaftsaufnahmen oder Stadtaufnahmen sind schön zu betrachten und man bekommt einen Einblick in die Nahe Osten Kultur. Manch einer vermutet hier dass es vielleicht eine Straffung für das Drehbuch ist und speziell durch die Darstellung der CIA, doch hätte dieser Aspekt sicherlich ausführlicher ausfallen können. Denn man sieht sehr wenig über die ganzen Vorgänge im Hintergrund. Mir hätte das ganze besser gefallen wenn es so wie „Der Staatsfeind Nr.1“ gewesen wäre.

Was mir wiederum sehr gut gefallen hat ist die Technik. Der Film basiert eigentlich auf dem Roman von David Ignatius. Der war Journalist und hat 10 Jahre für das angesehene Wall Street Journal gearbeitet. Dort war er für CIA-Themen und den Nahen Osten zuständig. Heute ist er Mitherausgeber und Kolumnist der Washington Post. Wie gesagt Leonardo als Zielstrebiger Agent in diesem neuen Spionagethriller ist gut, und mir fällt der Titel ein, „Syriana“ der war auch so kompliziert, spannend akademisch, aber der Film hier heute war 10 x so spannend wie Syriana, der gefiel mir gar nicht.

Jetzt wissen wir wenigstens dass der CIA eine kleine schmutzige weltweit tätige und viel zu mächtige Organisation ist, wo man mehr als Angst haben sollte wenn man was angestellt hat, denn die Möglichkeiten die haben ist so hoch, dass wir sie uns nicht mal träumen können. Was völlig außer Acht gelassen wurde ist der 11. September, Osama bin Laden und Saddam Hussein kamen nicht vor, leider, und der Film fängt an wie „Spygame“ den ich auch nicht so mochte. Wer sehr gut gepasst hat meiner Meinung nach ist Crowe als CIA Chef von der Aktion da. Gut auch zu sehen dass Leonardo di Caprio als Spitzenagent auch nachlässt und selber nachdenkt und nicht wie ein Roboter agiert und Menschen tötet.

Was ich nicht verstand Hoffmann redet über Ferris in höchsten Tönen und was der nicht schon alles erreicht hat. Und keine einziges Mal begehrt Ferris auf, kein einziges Mal beschimpft er Hoffman, nie beschwert er sich, will dass oder jenes, er agiert wie ein Roboter, nur am Ende kommt so was wie freier Wille und Verständnis auf. Dass ist meiner Meinung nach ein großes Manko. Ich glaube Crowe hat 30 Kg für den Film raufgefressen. Im Film leider leidet seine Rolle unter fehlenden Erklärungen. Nie erfährt man was über ihn, er ist einfach da und dann wieder nicht als wäre er eine Qualle wo man durchsehen kann.

Was ich an dem Film vermisste ist der fehlende Anti Terrorkrieg der hier angesprochen wird, nie hört man davon was, nie über Geschichte und ja irgendwann dachte ich, schön ich sehe Bilder, aber da ist ehrlich gesagt zu wenig was einem mitreißt, obwohl der Film spannend ist, nein, aber nicht perfekt. Das ganze wirkt etwas oft wie eine Kulisse für das Drehbuch aber egal, im Kino entspanne ich mich meistens und denke darüber nicht weiters nach.

In kurzen Worten könnte man sagen: Das Problem von Scotts Film ist aber auch noch ganz anderer Natur und hat sicherlich einiges zur lauwarmen Mundpropaganda beigetragen. Die Story ist einigermaßen kompliziert, und bis man einen echten Einstieg geschafft hat, ist fast schon ein Drittel des Films gelaufen. Die Figuren laden nicht unbedingt zur verstärkten Identifikation ein, und selbst wenn DiCaprios Undercover-Agent zunehmende Sympathiewerte entwickelt, reicht das bei weitem nicht aus, um sich auch Sorgen um dessen Schicksal zu machen – zumal sein Leben bis fast zum Schluss nur sehr eingeschränkt in Gefahr ist. Russell Crowes Schreibtischtäter hingegen ist nahezu so gesichtslos in seiner Fokussierung auf die Errettung der Zivilisation mit allen Mitteln, dass er noch nicht einmal zum Hassobjekt taugt. Die faszinierendste Gestalt hingegen, der undurchschaubare jordanische Geheimdienstchef Hani, beunruhigend elegant und gefährlich interpretiert von Mark Strong, bleibt zu sehr Nebenfigur, als dass er die Leerstellen der anderen Charaktere ausgleichen könnte.


Was mir auch gefehlt hat ist dass der Film politischer hätte sein können dass er eine Romanze gehabt hat, dass hat in den Film nicht so gut gewirkt aber dass macht ja nichts. Ich fand man hätte die besser machen können oder weg lassen sollen. Der Films technisch perfekt aber er reißt dich nicht mit so wie ich es hoffte.

Gut aber nicht perfekt – 85 von 100
 


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24.02.2017 18:19:34
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