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Filmkritik: Babel

Diskussionsverlauf

Filmkritik: Babel (tuvok, 17.02.2007)

Beiträge

tuvok
17.2.2007 23:58
Filmkritik: Babel

Die Handlung:

AHMED und YUSSEF sind Brüder. Jung, Ziegenhirten, sind arm, und haben Eltern die hart arbeiten müssen um zu überleben. YUSSEF spioniert seiner nackten Schwester nach, ZAHRA weiß das, sie macht das gerne, und AHMED ist stinkesauer auf den Perversen Bruder

Der Vater HASSAN hat ein Winchester Jagdgewehr bekommen, er will die Herde vor Schakalangriffen retten. Und leider bekommen die 2 Brüder das Gewehr in die Hand. YUSSEF zielt auf einen weit entfernten Bus den er trifft, SUSAN JONES (Cate Blanchett) wird angeschossen, Ihr Mann RICHARD (Brad Pitt) ist außer sich, das noch dazu auf einer Urlaubsreise in Marokko, und weit und breit kein Spital in der Nähe.

Mit Hilfe des Marokkanischen Dolmetschers geht es in das Dorf Tazerine, oder wie das heißt, und wartet vergeblich auf die Ambulanz, die laut Botschaft mit einem Hubschrauber seine Frau abholen soll.

Ein paar Tausend Km weiter, hat AMELIA ein Problem, sie muss die 2 Kinder DEBBIE (Die Schwester von Dakota Fanning) und MIKE mit nach Mexiko zu Ihrem Sohn nehmen, der in der Nähe von Tijuana heiratet. Denn RACHEL, die Schwester von SUSAN hat leider keine Zeit zum Babysitten, und in San Diego ist nicht so leicht eine Babysitterin zu bekommen. Leider hat AMELIA Ihren Neffen SANTIAGO mit der ein bisschen blöd Tickt, und an der Grenze zur USA ein bisschen blöd reagiert und mit dem Auto flüchten muss.

AMELIA landet mit den 2 Kindern in der Wüste und kämpft um Ihr Leben.
Wieder ein bisschen weiter, Tokio, CHIEKO, 15 Jahre, sie hat den Selbstmord Ihrer Mutter noch nicht überwunden, YASUJIRO, Ihr Vater, ein Jäger, und Wirtschaftsmagnat hat wenig Zeit für sie, sie ist Pubertär, experimentiert mit Drogen und Alkohol, und sie ist depressiv, will Sex und endlich einen Freund. Sie ist leider taubstumm, keiner mag sie so richtig, und Ihr Vater ist auch in die ganze Geschichte verwickelt.

Ein bisschen meine Meinung zu dem Film:

Hat er zu lange gedauert wurde ich gefragt. Ich sagte, Nein. Er war gerade richtig und mir kam die Zeit in dem Film sehr kurz vor, obwohl er 140 Min. gedauert hat. Meine Freundin hat mir meine Hand zerquetscht, teilweise, gegen Ende wurde der Film teilweise unerträglich, überhaupt wenn man selber Familie hat. Er war anfangs etwas langweilig, von einem gewissen Standpunkt her, und er hat teilweise ein ähnliches Schema wie „Memento“ gehabt, denn von vorne dann von hinten, ne das ist nicht meines, aber es hat sehr gut gepasst.

Der Film ist einfach ein Wahnsinn. Am Ende kann man das ruhig sagen. Der Film spielt ja über 3 Kontinente, 3 Städte die mit T anfangen Tazerine, Tijuana, Tokio, hat 3 Geschichten in 3 x 45 Minuten kann man fast sagen, aber leider geht sich das nicht aus, egal, er hat eine Menge an guten Schauspielern. Die Story des illegal angestellten Kindermädchen das 16 Jahre in San Diego lebt, stellt eher den politischen Teil des Filmes da, ständig nämlich in Gefahr des Landes verwiesen zu werden. Der Film soll laut dem Regisseur die Lehre vertreten: Wer gehört werden will, muss zuhören.

Wenn man genau hinsieht, im Armen Mexiko wo gerade die Hochzeit abläuft, leben die Leute viel netter und glücklicher als im reichen Tokio wo jeder alles hat. Eigenartig ist, das die japanische Geschichte im Film gar nicht zu den 2 andren Storys passt, da hat man den Zusammenhang bald draußen, und auch wenn es interessant ist zu zusehen wie Chieko Ihrem Vater begegnet, wie distanziert sie ist, irgendwann wird das ganze Langweilig, doch am Ende des Filmes, wenn noch 2 Fragen offen sind, finde ich das die Story einen sehr starken Sinn hat und wirklich echt überzeugend wirkt.

Z.b. als Chieko in der Disco ist, man hört die Gruppe „Earth, Wind and Fire“ glaube ich, und da sieht man recht gut den sich überschneidenden Weg wie ein Taubstummer seine Welt erlebt, als dann noch die beste Freundin den Jungen kriegt, den sie sich auserkoren hat, um endlich Ihrem Leben durch Sex auf die Sprünge zu helfen und die Depression zu meistern, ist sie bald soweit das sie Selbstmord begeht. Müde torkelt sie nach Hause.

Dass Brad Pitt die Rolle lieber hatte als „Departed“ glaube ich ihm, und ja, der gefiel mir super, aber der hat den Oscar verdient. Er ist übrigens ein Riesen Fan von dem Mexikanischen Regisseur. Sicher, Ich konnte mich mit der Erzählweise nicht anfreunden. Viel zu gemächlich und langsam wird zur Sache gegangen, als dass man wirklich mitfiebern könnte, zwar fühlt man mit den Protagonisten mit, aber eine mitreißende Erzählung stelle ich mir anders vor. Aber da steht ja noch der Anspruch und das Ende und die ganze Idee im Vordergrund.

Dieser unkonventionelle Film der einen hohen Anspruch darstellt hat mir schon sehr beansprucht, obwohl meine Bandscheiben mehr litten als mein eh schon überfüllter Bauch vom Junkfood und ja, meine Alte hat auch gelitten, der haben die Finger weh getan, weil alle 0,4 Sekunden habe ich auf Ihre Finger getippt, und sie gefragt, he was, wie und wo, und ja sie ist sehr geduldig, aber nach 18 Minuten gibt sie auch auf.

Babel“ ist ein nachdenklich stimmender, für Kleinigkeiten und vermeintliche Nebensächlichkeiten sensibel machender Film, der uns mal wieder aufzeigt, wie klein doch die Welt ist, und er zeigt eben den Butterfly Effekt sehr gut. Bildersprache, Fotografie, die Technik, der Film übertrifft mit dem Einfachen alles andere was man sich so vorstellen kann aber in allem muss ich sagen, der Film ist gut, die Spannung fehlt, der Anspruch ist hoch, und das Ende gut.

Einige Information zu dem Film:

Nun, der Regisseur Alejandro González Iñárritu hat ja mit dem Film „Amores Perros“ damals schon ein bisschen Filmgeschichte geschrieben. Der hat mir ein bisschen besser gefallen, da er ein bisschen mehr an Action hatte, aber dafür war der hier viel vielseitiger, die Kontraste besser ausgebildet. Der Regisseur hat ja eine Trilogie zum Thema Gewalt, Tod und Menschliche Abgründe gehabt. Nach „Amores Perros“ folgte „21 Gramm“ den ich furchtbar langweilig fand, und nun der hier. Vielleicht kommt auch bald ne DVD Box.

Wieder kam seine gewohnte Crew zu Einsatz. Drehbuchautor Guillermo Arriaga, Kameramann Rodrigo Prieto, Produktionsdesignerin Brigitte Broch und Filmkomponist Gustavo Santaolalla. Gedreht wurde ja an Original Plätzen, das war z.B. in Japan, in Quarzazate, das liegt in Marokko, und Tijuana, und in der Sonora Wüste in Mexiko. Da waren wirklich schlimm wirkende Szenen dabei. In jedem der Handlungsstränge von Babel gibt es zwei Sprachen wieder - arabisch und englisch in Marokko, englisch und spanisch in Kalifornien und Nordmexiko, japanisch und die Gebärdensprache im japanischen Tokio.

Und das wirkt ziemlich verwirrend teilweise auf die Leute. Angeblich hat sich ja der Film am biblischen Babylon orientiert, an der Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel. Was sagt der Regisseur zu dem Film, und der ganzen Handlungsweise? Er habe mit seinem Film "den Widerspruch zwischen dem Eindruck, dass die Welt durch all die Kommunikationswerkzeuge, die wir hätten, kleiner geworden wäre" erforschen wollen "und das Gefühl, dass die Menschen dennoch unfähig sind, sich selbst auf einem grundlegenden Niveau auszudrücken und untereinander zu kommunizieren". "Ich versuchte zu zeigen, was mit uns momentan passiert. Wir sehen den 'anderen' immer als abstrakt, so dass Anderssein heißt, gefährlich und nicht fähig sein, den anderen zu verstehen. Dies geschieht nicht nur von Land zu Land, sondern zwischen Vätern, Söhnen, Ehemännern ... Wir sind nicht mehr in der Lage zuzuhören."

Was ich recht interessant fand, als er z.B. die Schauspielerin suchte, die Amelia spielen sollte, in dem Teil des Filmes der sich in Mexiko abspielte, sah er sich über 100 Schauspielerinnen an die Spanisch und Englisch sprachen konnte, und fand dann durch Zufall eine die in „Amores Perros“ bereits mitwirkte und mit Ihrer Hilfe hat der Film den richtigen Touch bekommen. Und auch Ihr Neffe Santiago war in dem Film bereits dabei und zählt zu den Lieblingsschauspielern des Regisseurs. Und er spielt ja auch sehr gut und kurz die Wut die er hat, weil er jahrelange unterdrückt wurde von der beschissenen Amerikanischen Regierung und von allen die reicher sind als er, was ja nicht schwierig ist.

Die Rolle der Chieko, des japanischen Mädchens spielte eine wirklich gute japanische 24 Jährige Schauspielerin die nicht jung war. Im Film verkörpert sie glaubhaft eine 15 Jährige Schülerin. Und es war nicht leicht da wem zu finden, aber er hat mit Ihr einen wahrhaften Wunderbrunnen geschafft. Und seine Idee lauter Laien zu nehmen war gut, denn sie lernte z.b. 9 Monate lange die Gebärdensprache.

Vielleicht fällt ja wem auf das die 3 Geschichten in verschiedenen Rot Tönen gemacht wurden. Orangefarbene Erdtöne für Marokko, ein lebhaftes, elektrisierendes Rot für Mexiko und ein subtiles Purpurrot für Japan”. Mehr als 2.500 verschiedene Kameraeinstellungen wurden gedreht, das gab uns eine überwältigende Bandbreite von Bildern und Tönen zur Auswahl. Es gibt rund 4.000 Schnitte im Film.

Was auch schlimm war, trotz der herzlichen Gastfreundschaft der Einwohner waren die Drehbedingungen schwierig. Die Temperaturen erreichten oft 37 Grad im Schatten, und nachmittags wehten Stürme den Sand der Sahara ins Dorf.

Der Film hat sehr viele Auszeichnungen, hier sind sie:

Oscar Nominierungen:

Bester Film
Beste Regie
Beste Nebendarstellerin (Adriana Barraza)
Beste Nebendarstellerin (Rinko Kikuchi)
Bestes Original-Drehbuch
Beste Filmmusik
Bester Schnitt

BAFTA-Award Nominierungen:

Beste Filmmusik
Bester Film
Beste Regie
Bestes Original-Drehbuch
Beste Kamera
Bester Schnitt
Bester Ton

Golden Globe Nominierungen:

Bester Film – Drama
Beste Regie
Bester Nebendarsteller (Brad Pitt)
Beste Nebendarstellerin (Adriana Barraza)
Beste Nebendarstellerin (Rinko Kikuchi)
Bestes Drehbuch
Beste Filmmusik

Und noch eine ganize Menge mehr, die aber nicht so wichtig sind. 59 Nominierungen und 7 Gewinne.

Fazit:

Anstrengend, nicht einfach, realistisch, gut gemacht, eine herrliche Geschichte, und eine Empfehlung, aber nicht spannend.

88 von 100
 


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20.10.2017 03:46:00
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