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Filmkritik: Jarhead

Diskussionsverlauf

Filmkritik: Jarhead (Tuvok Richie, 28.01.2006)

Beiträge

Tuvok Richie
28.1.2006 23:50
Filmkritik: Jarhead

Inhalt:

Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin ... Diese Phrase stammt aus diesem seltsamen Krieg. Kaum Bodenkämpfe, nur Langeweile und Soldaten, die heiß auf den ersten Abschuss sind und ihn nie tätigen werden. Stattdessen zerbrechen ihre Banden in die Heimat, entwickeln sie seltsame Vorlieben für verbrannte Leichen und springen nackt um riesige Lagerfeuer. Warten, Wasser trinken, wahnwitzige Drill-Übungen absolvieren - und wieder warten - davon handelt dieser ungewöhnliche Film, der zunächst als Hommage an Stanley Kubricks "Full Metal Jacket" beginnt.

Und dann fängt das ganze erst richtig an. Warten, und beten, Wichsen und saufen, Blödsinn reden und über Frauen nachdenken die du mal hattest und jetzt nicht mehr. Die Ausbildung war lange und hart, aber hier unten braucht sie fast keiner, oder doch?

Info:

Jarhead" ist ein Begriff für neue Rekruten, denen eine Whiskeyglas-Frisur verpasst wird. Sie werden zu Recht gestutzt - so wie man sie haben will, und genau damit beginnt auch der Film.

Saddam das Schwein ist am 2.8.1990 in Kuwait einmarschiert. Der Irak hat ja auf Befehl den Iran bekämpft. Irak hat sich von Kuwait Geld geborgt, ca. 80 Milliarden US $, hat von den Amis die Waffen bekommen, und nun will dann irgendwann Kuwait auch Geld zurück. Nichts da. Irak will Gebiete im Kuwait, was ja ihm gar nicht gehörte. Nie und nimmer. Da war ja damals der 1. Weltkrieg voll im Gange, England hat viele Gebiete neu aufgeteilt, Kuwait war dann unter der Herrschaft der Englischen Krone, und ist dann erst später zur Autonomen Monarchie übergetreten. Klar, die wollten unter sich sein, das Öl alleine verwalten. Da hat es damals auch noch ein Militärbündnis aus 34 Staaten gegeben, und man mußte ja damals auch Saudi Arabien schützen, und so hat man eben entschieden, Öl ist wichtiger als alles, runter mit dem Militär, und wir retten jetzt die Leute da unten, oder eher das Öl das Saddam will.

Und da gab es damals einen Scharfschützen Anthony Swafford. Da war damals viel im TV, das der Irak so viele Gräueltaten gemacht hat, der UNO Sicherheitsrat hat sich ziemlich empört, und hat eine Wirtschaftssanktion verhängt. Man hat dem Irak gesagt, entweder du läßt Kuwait in Ruhe, und das bis zum 15.1.1991 oder es gibt Krieg. Und am 16.1.1991 begann ja damals die Luftoffensive. Zuerst war es ja Dessert Shield, dann Dessert Storm, das sieht man auch im Film recht gut. Am 24.2.1991 haben sich die USA gedacht, O.K. runter mit den Bodentruppen und bald waren es 575.000 Leute. Und das obwohl George Bush Senior am 27.1.1991 gesagt hat, es ist Waffenruhe, die Kriegshandlungen sind vorüber.

Und der Film der 72 Millionen US $ gekostet hat, da haben die Macher nicht mal das Pentagon informiert, oder befragt, was ja hätte sein sollen, laut Pentagon, wenn ein Film über die USA gedreht wird, und das war gut so, so haben die Typen keinen Einfluss auf den „American Beauty“ Regisseur gehabt. Bei Interviews sagt der Regisseur nicht viel über die Hintergründe, er will einfach nichts zerreden, und das ist auch gut so.

Anthony Swofford ist übrigens in der 3. Generation im Krieg, 2. Weltkrieg, Vietnam, und jetzt er im Irak, und 2003 kam das Buch raus. 9 Wochen war es ein Bestseller in den Staaten und in der New York Times Zeitung als eines der besten Kriegsbücher gepriesen.

Kurz nach dem er seinen 20. Geburtstag gefeiert hat, es war der 14.2.1990 und 2 Tage danach, ist Anthony Swafford in den Krieg einberufen worden, wo sein Vater in Vietnam war, und sein Großvater im 2. Weltkrieg. Und das hat man auch gut im Film gesehen.

Obwohl im Film vieles auf den Universal Studios gedreht wurde, und auch einiges in der Wüste Glamis in Kalifornien, sieht man die Szenen und glaubt es ist alles vor Ort. Woran auch die Salztorebene Wüste in Mexiko beteiligt war, wo man viele Surreale Bilder dreht die im Film ja vorkamen.

Man mußte oft aufpassen was man wo dreht, das keiner dahinter kam so auch mußte man vor dem Pentagon verschweigen was man wo für einen Film über was drehte, was eigentlich unüblich ist und ich finde das Sam Mendes der Regisseur von „American Beauty“ sich übertroffen hat, auf alle Fälle und sehr viele Szenen sehr lange überlegt hat, obwohl die Zeit des Drehens im ganzen nur 5 Monate dauerte.

Interessant ist auch die Tatsache dass die Musik hier wirklich authentisch ist. Z.B. Hauskomponist Thomas Newman hat mit Supervisor Randall Poster (Aviator) eine wirklich gute Musik entworfen die dann am besten zum Einsatz kommt, wenn man sie wirklich am besten geniessen kann, was man am besten im Film sieht, denn zum Erklären würde es zu lange dauern.

Im 2. Bataillon der 7. Marines hat Anthony damals gedient, und er war dabei als einer der Ersten im Irak, bis es 575.000 Mann wurden. Unglaublich wie viel Geld dabei draufgegangen ist, man sieht auch gut die Wendung von Dessert Shield auf Dessert Storm.

Das Buch hat lange gedauert es zu schreiben, viele haben vieles nicht verarbeitet, brachten sich nachher um, doch 2003 kam ja das Buch raus, und Jake Gyllenhaal hat am Anrufbeantworter dem Regisseur fast vorgesungen und bezaubert das er die Rolle haben möchte, und er bekam sie auch, was eine sehr gute Wahl war.

Die Marine hat 20.000 Humvee Fahrzeuge, die Army 120.000. Dieses Auto, eigentlich High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle, HMMWV – kurz Humvee ist 1,25 Tonnen schwer und fährt durch 1,50 Meter tiefes Wasser. Der 6,2 Liter Hubraum wurde auf 6,5 aufgebohrt. Der M966 ist der kleinste mit 47.000 US $ und der M1116 ist der Gepanzerte und größte mit 150.000 US $. 1.500 Kg kann er ziehen. Fährt 113 Km/h schnell, und ist 2,60 Meter breit. Die 4 Gänge haben 163 PS.

Meine Meinung:

Der Golfkrieg hätte nie sein sollen, das wissen wir. Eine Reihe ausgebildeter Scoutsniper hätte wohl genügt. Hier wurden Waffen getestet, Öl gestohlen, das Volk geknechtet. Das sind wohl die Hintergründe, die damals Amerika nicht der Weltöffentlichkeit wissen lassen wollte, doch jetzt 15 Jahre nach Dessert Storm darf sich der Zuseher in diesem wuchtig guten 119 Minuten langen Antikriegsfilm seine Gedanken machen, der eigentlich fast noch besser ist als „Tränen der Sonne“ oder „Apocalypse Now“ den ich langweilig fand, aber auf alle Fälle besser war, und ungefähr in der Art gleich kommt wie „Rules – Sekunden der Entscheidung“. In der Art her ist der Film wie „Sahara – Wüste des Todes“ – fängt aber an wie der beste Antikriegsfilm aller Zeiten „Full Metal Jacket“, geht weiter wie „Die Akte Jane“, hat Zwischensequenzen wie „Three Kings“ – der einzige Irak Krieg Film bis jetzt den ich kenne, und hört auf wie „Der Soldat James Ryan“ und ein bißchen wie „Sie kehren heim“ oder auch wie „Geboren am 4. Juli“.

Der Film ist meiner Meinung nach einfach fantastisch, alleine schon zu sehen wie sinnlos so ein Krieg ist, wie sinnlos es ist überhaupt in ein Kriegsgebiet runterzufahren, und wie wahrscheinlich doch einige Verschwörungstheorien sind. Es ist einfach Wahnsinn was man mit Soldaten gemacht hat, mit Menschen, was mit Ihnen passiert ist, wie sie sich verändert haben, wie von 5.000 Mann in 4 Monaten ca. 575.000 Mann wurden. Hervorragend und rausgestochen Jake Gyllenhaal (The Day after Tomorrow) mit seinem unverwechselbaren Gesicht, der einfach gut spielt, der ein Charakterkopf ist, und der meiner Meinung nach hier am besten gepasst hat von den Filmen die ich bisher von ihm kannte.

Wie man merkt, wie ein Mensch eine gesteigerte Emotionsfähigkeit entwickelt, und wie er sich wieder zurückstuft. Ständig reden, in die Luft schauen, zum 8.334 x das Gewehr putzen, Baseball spielen, wichsen, über Frauen, Fotzen, und Titten reden, es wird langweilig, es wird zu einer Qual, doch diese Qual ist es wahrscheinlich die dann einige Befehlshaber ausgezeichnet haben. Du hast im Krieg überlebt. Egal, Hauptsache die Firma die Orden erzeugt, darf wieder ein bißchen Geld verdienen.

So viele Ölfelder da unten, klar, die Amis haben Hunger bekommen. Ein Humvee braucht, das ist das Wüstenfahrzeug, größer, verbrauchsgieriger als der Hummer, ca. 40 – 60 Liter Benzin auf 100 Km, ein Wahnsinn, aber was soll’s, schließlich sind wir ja Amerika.

Ausbildner Staff Sargeant Sykes, Jamie Foxx (Ray) spielt hier wirklich gut, aber unser Donnie Darko Anthony Swafford, der auch das Drehbuch beeinflusst hat, ja es gab ihn wirklich, hat ihm eigentlich die Show gestohlen. Es ist wunderbar zu sehen wie Sykes mit seiner Schnoddrigen Art das ganze Team zusammenhält, wie man ihn haßt und liebt, wie Clint Eastwood in „Heartbreak Ridge“ doch dieser Film geht weiter. Er stellt zwar Analogien und Verbindungen zu anderen Kriegsfilmen dar, aber hier zeigt er etwas was ich lange vermisst habe in Filmen, nämlich die Hintergründe von der menschlichen Seite aus gesehen.

Unglaublich alleine die Tatsache das so ein unbedeutender, meiner Meinung nach unbedeutender, Regisseur wie Sam Mendes (Road to Perdition) aus einer Geschichte die das Leben grauslich schrieb, so einen schlimmen Krieg darstellte auf der Filmleinwand, wo wir im Kühlen Kino sitzen, wo alles mucksmäuschenstill ist, nämlich was das sich meiner Meinung nach ziemlich so ereignet hat. Nämlich nicht viel. Soldaten wurden getestet, man mußte Pillen testen, man mußte Waffen testen, man durfte dort unten einfach nur in die Luft gucken und zusehen wie 175 Tage vergehen.

Dieser Krieg war der sinnloseste Krieg, denn hätte man Chuck Norris und seine Delta Force genommen, dazu ein paar Snipers wie Tom Berenger, dann hätte Saddam sicher früher gefasst werden können. Herrlich dieser Unpatriotismus im Film zu sehen, der dann vom Patriotismus sich loslöst und das zeigt was es ist, Amerika eine Arschgeburt voller Rotznasen die einen Krieg geführt haben, der mehr als unnötig war, den sie auch noch wie Sniper – Teil 2 in die blöde 2. Runde gehen ließen.

Sicher gibt es auch Minuspunkte, wie fehlende zerplatzende Schädel, und die paar verkohlten Leichen die nicht mal in Großaufnahme zu sehen sind, zeigen den Splatterfreaks den Stinkefinger, hier geht es nicht um Effekte, Endlich, sondern eher darum wie die Psychologische Seite des Menschen mit dem klar kommt was nicht zu sein hat, was unüberwindlich grausam ist, und schrecklich sinnlos. Wie jeder Krieg. Krieg ist immer Scheiße, und wenn er noch dazu von den Amis geführt worden ist.

Ein Pluspunkt für diese unglaublich guten Aufnahmen, die Landschaft, die brennenden Ölfelder wo Red Adair sich noch mal beweisen konnte, der beste Feuerwehrmann der Welt, der grässliche Ölregen, der alles vollmacht, die Fliegen, Skorpionkämpfe, Sonnenaufgänge, stinkende Latrinen, einfach toll wie der Kameramann das alles eingefangen hat, für mich eine Art Oscaranwärter.

Sehr gut hat mir Troy gefallen – Peter Sarsgaard (Flightplan) und auch Chris Cooper (Lieutnant Colonel Kazinsiki), er hat ein gutes Gesicht für solche Rollen, aber er war leider nicht oft zu sehen. Leider. Für die Musik war Komponist Thomas Newman (Road to Perdition) verantwortlich, der übrigen schon 7 x für den Oscar nominiert worden war, es war nämlich eine gute Filmmusik, und zwar so eine die zu den richtigen Szenen die total richtige Musik brachte, und dann auch noch Supervisor Randall Poster (School of Rock) der alles überwacht hat.

Von mir bekommt er auf alle Fälle 93 von 100 Punkten
 


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